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Infoabend in Nürtingen: Was bei der Polizei wirklich zählt

Die Einstellungsberater Benjamin Seidt und Markus Ebert haben am Donnerstagabend im Nürtinger Polizeirevier jungen Menschen den Polizeiberuf nähergebracht. Dabei gab es doch einige überraschende Erkenntnisse.

Einstellungsberater Markus Ebert erklärt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Polizeirevier Nürtingen, welche Voraussetzungen Bewerber bei der Polizei erfüllen müssen. Foto: Kai Müller

NÜRTINGEN.

„Wer ist kleiner als 1,60 Meter?“, fragt Markus Ebert. Delya meldet sich. „Wie groß bist du?“, fragt der Einstellungsberater der Polizei nach. „1,55 Meter“, sagt die Schülerin. Das sei erst mal kein Problem, man müsse dann allerdings noch einen zusätzlichen Test absolvieren, wenn man Polizistin werden wolle, sagt Ebert. Den eigentlich sollten Bewerberinnen und Bewerber mindestens 1,60 Meter groß sein.

Rund 30 junge Männer und Frauen sind am Donnerstagabend ins Revier nach Nürtingen gekommen, um sich bei der landesweiten „Nacht der Bewerber“ über den Polizeiberuf zu informieren. Manche sind erst 14, andere schon erwachsen und wollen wie Luis Bauer aus Wernau Polizist werden. „Ich bin schon zum dritten Mal bei einer solchen Veranstaltung“, sagt der 19-Jährige. Heute erhofft er sich noch einmal wichtige Tipps für seine Bewerbung für den gehobenen Dienst.

5300 Bewerbungen im Jahr 2025

Im Polizeipräsidium Reutlingen gibt es fünf sogenannte Einstellungsberater. Für den Landkreis Esslingen sind Markus Ebert und sein Kollege Benjamin Seidt zuständig. Sie haben am Donnerstagabend ein umfangreiches Programm zusammengestellt und erklären genau, welche Voraussetzungen Bewerberinnen und Bewerber erfüllen müssen. Außer allgemeinen Infos sind Vertreter der Polizeihundestaffel, der Verkehrspolizei, der Kripo sowie Praxisausbilder dabei. Auch bei der Durchstartermesse sind Ebert und Seidt dabei. „Das Interesse ist riesig, da kann man kaum auf die Toilette“, erzählt Seidt. Doch nicht jeder und jede, die gern will, lande auch wirklich bei der Polizei. „Das ist schon eine Art Trichter“, erzählt der Polizeibeamte. Das zeigen auch die Zahlen. Im Jahr 2025 hat es rund 5300 Bewerbungen für den mittleren und gehobenen Dienst in Baden-Württemberg gegeben. Eingestellt wurden schließlich 1254 Männer und Frauen. 818 haben im Juli ein Bachelorstudium begonnen. Sie streben also den gehobenen Dienst an.

Auch die Polizeihundeführerstaffel war beim Bewerbertag dabei. Hier Sarah Theiss mit Hündin Finja. Foto: Kai Müller

Polizisten müssen keine Spitzensportler sein

Doch was gilt es denn konkret zu beachten? Wer eine duale Ausbildung im mittleren Polizeidienst absolvieren will, muss die Mittlere Reife haben und mindestens 16½ Jahre alt sein. Er darf am Tag des Ausbildungsbeginns noch nicht 33 Jahre alt sein. Der gehobene Dienst (Bachelorstudium) erfordert die Fachhochschulreife oder das Abitur. Mit Vorausbildung dauert dies 45 Monate. Bewerberinnen und Bewerber dürfen hier noch keine 34 Jahre alt sein. Hier kann zwischen den Schwerpunkten Schutzpolizei oder Kriminalpolizei gewählt werden. „Bewerber sollten sportlich sein, müssen aber keine Spitzensportler sein“, erklärt Seidt. Konkret bedeutet das: Wer zur Polizei will, muss das deutsche Sportabzeichen abgelegt haben und auch ein Leistungsnachweis über 200 Meter Schwimmen muss erbracht werden. Natürlich sollte man nicht in Konflikt mit dem Gesetz gekommen sein. Interessenten sollten ohne Brille einigermaßen gut sehen können und der Body-Mass-Index sollte zwischen 18 und 27,5 liegen. Wer nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, sollte sich unter anderem acht Jahre legal im Land aufgehalten haben.

Beim Gespräch ist „Reden Gold“

Wer all diese Voraussetzungen erfüllt, auf den wartet dann der Auswahltest. „Er findet in Baden-Württemberg zentral in Herrenberg statt“, erklärt Seidt. Dort werden dann Sprachkenntnisse, Wissen und intellektuelle Fähigkeiten getestet. Zum Schluss steht dann noch ein Auswahlgespräch auf dem Programm. „Da ist Reden Gold“, sagt Ebert. Ist der Test bestanden, folgt eine polizeiärztliche Untersuchung.

„Nicht nur die Sportlichkeit ist für den Beruf wichtig, sondern auch Kommunikations- und Teamfähigkeit“, sagt Seidt. Und man sollte auf jeden Fall ein Grundverständnis für rechtliche Grundlagen mitbringen. Auch die deutsche Sprache müsse beherrscht werden. Was auffällt: „Wir haben eine gewisse Anzahl an späten Quereinsteigern, die um die 30 Jahre oder älter sind“, erzählt Seidt. Er und Ebert bearbeiten die Bewerbungen, die sind komfortabel online möglich, doch Seidt rät dringend dazu, zuvor mit ihm und seinem Kollegen Kontakt aufzunehmen, um keine falschen Erwartungen zu wecken und Fragen klären zu können.

Lobo kann auch kräftig zubeißen, vor allem dann, wenn es für seine Hundeführerin Miriam Protitsch (rechts) und andere Polizisten bedrohlich wird. Sarah Theiss spielt den Angreifer und ist gut geschützt durch eine Armmanschette. Foto: Kai Müller

Auch dazu soll die Nacht der Bewerber dienen, die in Nürtingen nicht zum ersten Mal stattfindet, wie der stellvertretende Revierleiter, Rochus Köninger, in seiner kurzen Begrüßung erzählt. „Mehr als 100 Beamte arbeiten hier im Schichtdienst rund um die Uhr“, sagt er. Durchschnittlich gebe es jährlich rund 3500 Unfälle und 5000 Straftaten im Einzugsgebiet des Reviers zu bearbeiten, sagt er, bevor er Ebert das Feld überlässt. „Bei der Schutzpolizei erlebt man jeden Tag etwas Neues“, sagt Ebert. Häufig sei man auch zuerst an einem Tatort. Die Kriminalpolizei sei für ihn keine Option gewesen. „Da braucht man einen langen Atem bei den Ermittlungen“, sagt der Einstellungsberater.

Die vierbeinigen Polizisten

Nach der Einführung geht es weiter auf den Hof des Polizeireviers. Dort zeigen Sarah Theiss und Miriam Protitsch, was ihre Diensthunde Dr. Watson, Finja und Lobo so alles können. Sie sind Teil der Hundestaffel der Polizei. „Die Hunde werden bei der Suche nach Sprengstoff, Rauschgift, Leichen oder auch vermissten Personen eingesetzt“, erklärt Theiss. Oder auch im Schutzdienst, wenn es „heiß hergeht“, zum Beispiel bei Demos. Der Spagat zwischen Einsatz und Familienhund klappe ganz gut, erzählt Theiss. Alle drei Hunde seien auf Rauschgift spezialisiert. Theiss hat derzeit zwei Hunde, weil Finja langsam auf den Ruhestand zusteuert. „Sie ist gerade in Teilzeit“, sagt sie. Doch noch immer mit Feuereifer dabei, wenn es gilt Rauschgift zu suchen, wie eine kurze Demonstration zeigt. „Ohne Hund würde man das oft nicht finden“, erzählt Protitsch. Bevor sie mit ihrem Hund Lobo zeigt, was passiert, wenn es eben heiß hergeht. Gut für Theiss, dass es für ihren Arm eine Schutzausrüstung gibt.

Auch Delya verfolgt das Treiben gebannt. Die 16-Jährige macht gerade ihre Mittlere Reife und kann sich durchaus vorstellen, sich bei der Polizei zu bewerben. „Es ist schon interessant zu sehen, wie die Polizei Menschen schützt“, sagt sie. Ob sie sich bewirbt, wird sich noch zeigen. Aber Delya weiß nun, dass ihre Körpergröße kein Ausschlussgrund sein muss.

Benjamin Seidt und Markus Ebert sind unter den Telefonnummern (0711) 3990-298 und (0711) 3990-299 zu erreichen. Eine Beratung ist auch per E-Mail unter reutlingen.berufsinfo@polizei.bwl.de möglich.

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