Nürtingen

Vater des Rübenzuckers

03.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ein „süßes Salz“ gibt es nicht – oder doch? Was wie ein Widerspruch in sich klingt, war im 18. Jahrhundert offenbar eine durchaus nachvollziehbare Bezeichnung für „Zucker“, war doch nach der Entdeckung des Rübenzuckers durch Andreas Sigismund Marggraf 1747 die Gewinnung seiner kristallinen Form aus Rübensaft der Isolierung des Meersalzes zu ähnlich. Beider Stoffe Löslichkeit in Wasser schien eine Analogie nahezulegen, obwohl bereits Marggraf, als anerkannter Chemiker von Rang, um ein gewisses Hinken des Vergleiches gewusst haben könnte. Schließlich war das eine mineralischen, das andere pflanzlichen Ursprungs, ein den Kohlenwasserstoffen ähnliches Kohlehydrat mit der Summenformel C12H22O11. Damit war ein ungeheurer wirtschaftlicher Durchbruch erreicht: Europa und andere Zonen gemäßigten Klimas waren nicht mehr abhängig von den teuren Lieferungen des „weißen Goldes“ durch die Handelsriesen der Kolonialstaaten, wenn auch Andreas Marggraf mit seinen Untersuchungen noch nicht bis zur industriellen Gewinnung von Rübenzucker im großen Stil vordrang. Das überließ er seinem Schüler und Nachfolger im Amt des Direktors der physikalisch-mathematischen Klasse der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin, Franz Carl Achard. Marggraf, der am 3. März 1709 in Berlin das Licht der Welt erblickte, war auch der Erste, der (Tierschützer bitte wegsehen) durch die Destillation von Ameisen die gleichnamige Säure gewann. Außerdem entdeckte er, dass sich Natrium und Kalium (auch) dadurch unterscheiden, dass sie Flammen unterschiedlich färben. Andreas Sigismund Marggraf starb am 7. August 1782 in der Stadt seiner Geburt, Berlin. heb

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