Nürtingen

Nach Drehbuch

04.01.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(psa) Privatsender drehen ihre Dokusoaps neuerdings nicht mehr mit echten Fällen, sondern in zunehmenden Maße nach Drehbuch. Die Sender zeigen Laiendarsteller, deren Probleme sich findige Drehbuchautoren ausgedacht haben.

Das meiste ist frei erfunden. Ausgedacht von Germanisten, Rhetorikern, Kulturwissenschaftlern und anderen Akademikern. Jeden Morgen fahren sie, fernab sozialer Brennpunkte, mit ihren schicken Mittelklasseautos in ihre Produktionsfirmen und denken sich dort schaurig-unterhaltsame Unterschichts-Geschichten aus. Protagonisten sind stets arme oder reiche, dicke oder zahnlose, bemitleidenswerte oder verabscheuungswürdige Charaktere.

Liebeskummer im Urlaub, Sorgen ums Geld, Seitensprünge, Schulschwänzer – alles wird mit pseudo-dokumentarisch verwackelter Kamera gefilmt.

Wenn die fertige Sendung schließlich im Vorabendprogramm läuft, schaut die Hausfrau vor dem Fernseher in der Reihenhaussiedlung mit wohligem Schauer hinab in das tiefe Tal der Hartz-IV-Klischees. So entsteht eine TV-Scheinwelt, die vorgaukelt, das Leben „ganz normaler“ Menschen zu zeigen.


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