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Nürtingen

Keine Millionen

14.07.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) 1964 Goldmedaille in Tokio: der ganz große Triumph des 21-jährigen Deutschen Meisters im Eiskunstlauf Manfred Schnelldorfer. Als er im gleichen Jahr auch noch den Weltmeistertitel nach Deutschland holte, war der Schritt zum singenden Sportler nicht mehr zu vermeiden. Ganz à la mode der sechziger Jahre besang Schnelldorfer Schallplatten, spielte in Heimatfilmchen mit Vivi Bach und Dietmar Schönherr wie in „Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut“ und „Holiday in St. Tropez“. Seine Single „Wenn du mal allein bist“ verkaufte sich 400 000-mal und kam bis auf Rang vier in der deutschen Hitparade. Weil der Produzent längst Pleite gemacht hat, fließen auch keine Tantiemen aus dem Schlager- und Filmgeschäft mehr. Aber auch das damals verdiente Geld reichte nicht für das Leben als Amateur-, aber Hochleistungssportler und ein Studium nebenher. Also gab Schnelldorfer auf halbem Weg zum Examen sein Architektur-Studium auf, um aufs Eis zurückzukehren. Drei Jahre nach dem Olympiasieg wurde er Sportwart der Deutschen Eislauf-Union. Offiziell hieß seine Position „Bundestrainer“. Dabei blieb er zwei Jahre, dann holte er die angerosteten Kufen wieder vom Haken und zeigte zwischen 1969 und 1973 (mit ausdrücklicher elterlicher Genehmigung) beim „Deutschen Eistheater“, was er konnte. Walzer mit Marika Kilius in der Operette „Maske in Blau“ zu tanzen, mochte eine Zeit lang ganz nett sein, aber immer eins-eins-zwei, eins-eins-zwei um die eigene ruhmreiche Vergangenheit herumzuschleichen war wohl doch nicht so das Gelbe vom Ei. Doch alle Versuche in einem Eis-abgewandten Berufsleben scheiterten, wenn sie ihn auch, wie eine eineinhalbjahrzehntige Selbständigkeit und mehrere Engagements als Geschäftsführer, gut über Wasser zu halten vermochten. Die Millionen sind weder aus sportlichen Erfolgen noch aus jenen als Film- und Plattenstar in die Taschen Manfred Schnelldorfers geflossen. Der heute 66-Jährige wird es wohl mit Humor zu nehmen wissen, denn wie sang er doch 1965? „Traurig sein bringt nichts ein.“ Recht hat er.


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