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Nürtingen

1983

23.12.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Nur zehn Prozent der herrschenden Klasse stamme aus der Arbeiterschicht, resümierte eine Mannheimer Forschergruppe 1983 das Ergebnis einer Untersuchung über die bundesdeutschen Eliten und kam weiter zu dem Ergebnis, dass sich die Schlüsselpositionen in den Verbänden, der Politik und der Verwaltung schon fast zu Erbhöfen der Inhaber-Clans entwickelt haben. Lediglich 340 Personen umfasse der „Zentrale Zirkel“ der Entscheidungsträger. Über gewisse Ausbildungsgänge, die Zugehörigkeit zu religiösen Laienorganisationen, Wohlfahrtsverbänden und gesellschaftlichen Vereinigungen, wie dem Lions Club oder den Rotariern, ließen sich schon vor 25 Jahren Netzwerke knüpfen, die ein berufliches und gesellschaftliches Fortkommen ermöglichten. Kein Wunder, dass solche „Vitamin-B“-Systeme den verwandtschaftlichen Geflechten des Adels, die sich über die Grenzen des alten Europa hinweg erstreckten, nur allzu ähnlich sind. Demokratie? Nun – ein Schuft, wer Schlechtes dabei denkt. Solange König Konsens das Herrschen nicht vergisst und dafür sorgt, dass ein Gleichgewicht der (Verbands-)Kräfte den Klassenkampf domestiziert, ist ja auch alles in Ordnung. Doch zeigte schon die Untersuchung der Mannheimer von 1983 tiefe Risse zwischen Elite und Volk, obwohl dessen Funktion als Schaufensterpuppe in der Werbeabteilung des Kapitalismus damals noch ungebrochen intakt war. Demnach hatten die Führungskräfte, die übrigens damals wie heute politisch gesehen stark überwiegend den Unionsparteien und der FDP zuneigen, zu Themen wie Rentensicherheit, Datenschutz und Machtkontrolle oder auch Innere Sicherheit und Preisstabilität zur Volksmeinung stark differierende Ansichten. Zum Beispiel bewerteten die Eliten die Energiegewinnung aus Kernkraft weit positiver als die Mehrheit der Bevölkerung. Ob sie wohl dafür ein Plätzchen im großen Raumschiff bekommen, mit dem die Superreichen möglicherweise dereinst den zuschanden gewirtschafteten Planeten verlassen? heb


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