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Zweieinhalb Meter vor dem Balkon die Wand

07.08.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Werner Falk, Oberboihingen. Zum Artikel „Viele Fragen, viel Frust“ vom 24. Juli.

Bei der Sitzung am 21. Juli wurde aus den Reihen des Gemeinderats die Idee eingebracht, der Tunnel der Großen Wendlinger Kurve möge einen Namen mit Bezug zu Oberboihingen erhalten. Der DB-Vertreter bestätigte dies sogar. Er wird „Oberboihinger Tunnel“ heißen. Applaus im Gemeinderat! Das klang in den Ohren mancher Zuhörer wie Hohn, als würden die Sorgen und Ängste der Anwohner des neuen Gleises mit Füßen getreten. Als sich der Bürgermeister dann noch als Schall-Experte outete, war ich baff. Er bevorzugt absorbierende Schallschutzwände, also dunkelgrau bis zur Decke der über uns liegenden Wohnung und 3,5 Meter vor unseren Balkonen. Eine transparente Wand reflektiere den Schall zur Daimlerstraße zu sehr! Er vergisst, dass die Firmengebäude gut 50 Meter von der Wand entfernt stehen. Der Vorschlag aus dem Rat, eine oben gekrümmte Wand aufzustellen, zeugt nicht von intensiver Befassung mit dem Thema, sonst wüsste der Vorschlaggeber, dass dann die Wand näher an die Hochhäuser heranrückt. Somit steht nach dem Willen des Bürgermeisters kaum mehr wie 2,5 Meter vor unserem Balkon eine dunkelgraue Wand – fünf Meter hoch über Schienenoberkante. Also: „Gute Nacht“ – dunkel ist es dann eh schon.

Am 30. Juli 2020 schrieb mir der Bürgermeister, nachdem er die ersten zwei Anschreiben in dieser Sache nicht beantwortet hatte, dass er die „Interessen, Anliegen und Sorgen der Hochhausbewohner sehr wohl ernst nehme“. Er bat jedoch um Verständnis, dass Corona ursächlich dafür sei, Prioritäten zu setzen. Ein Jahrhundertprojekt scheint ihm also doch nicht so wichtig, und die Hochhausbewohner erst recht nicht. Meinen Vorschlag, die Situation von unserem Balkon aus in Augenschein zu nehmen, hat keine/r der Damen und Herren Gemeinderäte in Anspruch genommen. Schade!

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