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Zölibat schließt Sexualität nicht aus

10.09.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Leserbrief „Wird Sexualität zu sehr betont?“ vom 4. September. Nach dem Dogma der Unfehlbarkeit des päpstlichen Lehramts im Jahre 1870 spaltete sich von der römisch-katholischen die altkatholische Kirche ab. Der Zölibat wurde für ihre Priester aufgehoben. Auf rund 2000 Katholiken kommt heute ein zölibatärer Priester, während ein altkatholischer Priester nur für rund 500 Gläubige zuständig ist. Führte man diesen Unterschied ausschließlich auf die Freiheit zur Eheschließung zurück, müsste man nach Aufhebung des Pflichtzölibats mit der letztlich vierfachen Zahl an katholischen Priestern rechnen. Rechnete man lediglich bis zu ihrer Verdopplung, ergäbe sich dennoch eine Bilanz der Unfinanzierbarkeit.

Die folgenden Überlegungen stützen sich auf rund 15 Jahre alte Zahlen, für heute hochgerechnet. Aktuelleres ist schwer aufzutreiben. Dennoch lässt sich schätzen. Die Ausbildung eines Diplomtheologen zum Priester kostet in Deutschland rund 200 000 Euro. Die Personalkosten pro Priester und Jahr liegen bei durchschnittlich 50 000 Euro. Nicht unerheblich sind die Mehrkosten für Unterhalt der Familie, für größere Wohnungen, Kindergeld, Witwenrenten und Pensionen (ein verheirateter Priester dürfte kaum bis 75 arbeiten können, wie bei zölibatären häufig der Fall). Selbst wenn man nur über den Daumen peilte, müssten gigantische Mehrkosten anvisiert werden: Mindestens eine halbe Billion pro Priestergeneration. Und das bis zum Jüngsten Gericht. Unbezahlbar für den Kirchensteuerzahler, der letztlich die kompletten Personalkosten seiner Kirche trägt. Unbezahlbar auch für den Rest der Welt, die gar keine Kirchensteuer kennt. Auch für kritische Katholiken wäre es nicht gut, den Zölibat aufgehoben zu wissen, der lediglich die Ehelosigkeit ausschließt, aber nicht etwa eine „selbstverwirklichte Sexualität“.

Übrigens leiden viele protestantische Pfarrfamilien unter den normalen Konflikten des Alltags zwischen Beruf, Partnerschaft und Familie, belastet durch das Diktat moralischer Vorbildlichkeit. Die Scheidungsrate, mit allen Folgekosten, ist dementsprechend hoch. Auch deswegen wäre die Aufhebung des Zölibats vermutlich kein Weg in die Freiheit.

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