Schwerpunkte

Leserbriefe

Würdeloser Abschied im Pflegeheim

15.09.2010 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gudrun Schweikert, Salach. Wie stellt man sich den würdevollen Abschied von einem Elternteil vor? Bestimmt nicht so, wie wir es in einem Pflegeheim in Beuren erlebt haben. Unser Vater war, wie wir es empfunden haben, in dem Pflegeheim bei den Pflegern und Betreuern in besten Händen. Sie bemühten sich liebevoll um ihn, auch wenn es bei seinem Krankheitsbild nicht immer einfach für sie war.

Umso schlimmer traf uns der Abschied von ihm. Wir wurden erst am darauffolgenden Morgen von der Heimleitung von seinem Ableben verständigt (er starb kurz vor Mitternacht). Ein letztes Abschiednehmen wurde uns angeboten, zu dem wir in das Pflegeheim kommen sollen. Gleich beim Eintreten wurde uns mitgeteilt, dass in dieser Nacht ein weiterer Bewohner des Heimes verstorben sei und somit im Leichen- (Kühl-)Raum zwischen den beiden Verstorbenen ein Paravent aufgestellt sei.

Der Schock und das letzte Bild, was uns blieb – unser Vater lag in einem grünen Sack auf dem nackten Fußboden, hinter dem Paravent lag auf einer Liege aufgebahrt der andere Verstorbene.

Muss so etwas sein? In jedem Pflegeheim sollte man auf das Vorkommnis, dass an einem Tag mehrere Bewohner sterben, vorbereitet sein und den Angehörigen nicht solch einen pietätlosen Abschied zumuten. Auf die Frage, was letztendlich die Todesursache war, erhielten wir die Auskunft, dass der zuständige Pflegeheimarzt noch nicht da war (nach circa elf Stunden des Ablebens!).

Genauso problematisch erging es dem von uns beauftragten Bestattungsinstitut. Sie wollten lediglich, dass unser Vater bis zum Morgen des nächsten Tages auf dem Fußboden verbleiben darf, weil zu dieser Zeit der Arzt immer noch nicht da war und im Krematorium kein Termin mehr zu bekommen war. Nein, lautete die Antwort der Pflegeheimleitung. Also musste das Bestattungsinstitut auf den erst am Nachmittag eintreffenden Arzt warten und dann die Leichenabholung und die nochmalige Zwischenlagerung im eigenen Unternehmen veranlassen.

So sehr wir die Betreuung durch die Pflegekräfte zu schätzen wussten – umso mehr sind wir von Verwaltung und Organisation des Pflegeheimes enttäuscht.

Jeder von uns weiß, dass die oftmals nicht umgehbare Heimunterbringung eines nahen Angehörigen keine leichte Entscheidung ist – aber auch keine billige, was man aber gerne aufbringt. Warum also ein Abschied auf dem Fliesenboden? Vielleicht sollte man im Pflegeheim nicht nur Bilder mit frommen Sprüchen an die Wand hängen, sondern sich darauf besinnen, dass der letzte Abschied von einem geliebten Menschen für immer im Gedächtnis bleibt, und dieser unser Abschied von unserem Vater war für uns würdelos. Wir möchten so etwas keinem Angehörigen wünschen.

Leserbriefe

Unverhohlene Parteibrille

Wolfgang Niefanger, Oberboihingen. Zum Leserbrief „Umstiegsfantasien helfen da wenig“ vom 7. Januar. Es ist ja bekannt, dass Missionierende per se alles besser wissen und somit auch immer recht haben (müssen).

Nun ist Maike Pfuderer ja nicht irgendeine Zeitungsleserin, sondern im…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe