Leserbriefe

Wo bleibt die Toleranz?

04.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ramona Mathis, Nürtingen. Man sollte es nicht für möglich halten! Was der Familie einer sehr guten Freundin vor Kurzem widerfahren ist, stimmt nachdenklich. Die Familie ist kurdisch-türkischer Abstammung, besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und ist voll in die Gesellschaft integriert.

Der 14-jährige Bruder meiner Freundin besucht eine Grund- und Hauptschule im Raum Nürtingen. Neben dem regulären Unterricht nimmt er zusätzlich auch am türkischen Unterricht teil.

Die Lehrkraft, die in diesem Fall türkisch unterrichtet, bekommt die Räumlichkeiten von der Grund- und Hauptschule zur Verfügung gestellt. Sie selbst unterrichtet im Auftrag des türkischen Konsulates in Stuttgart.

Vor einigen Wochen wollte der Junge wie üblich den türkischen Unterricht besuchen und hatte sich eines dieser zurzeit modernen schwarz-weiß-karierten Halstücher (auch Palästinenser-Schal genannt) umgebunden.

Die Lehrerin betrat das Klassenzimmer, sah den Schüler mit dem „Pali- Schal“ und forderte ihn auf, das Tuch abzunehmen. Der Jugendliche war überrascht und verstand nicht so recht, was die Lehrerin da eigentlich von ihm wollte. Ihm war in keiner Weise bewusst, dass das auf irgendeine Art schlimm sein könnte.

So etwas würden nur Kurden und Palästinenser tragen, sagte die türkische Lehrerin. Was denn daran so schlimm sei, wollte der Jugendliche wissen und verwies darauf, dass auch viele andere diesen Schal tragen würden.

Darauf sagte die Lehrerin: „Du bist doch Kurde, oder?“ Da er sich in einem türkischen Unterricht befinde, dürfe er den Schal nicht tragen.

Aus Angst vor möglichen Konsequenzen nahm er ihn ab, konnte aber das Problem nicht nachvollziehen. Die Familie zu Hause war entsetzt und wütend.

Kurzerhand entschloss sich meine Freundin, das Problem so nicht im Raum stehen zu lassen. Sie bemühte sich um einen Termin bei der Türkisch-Lehrerin. Leider erfolglos! Auch in der Schule traf sie die Lehrerin nicht an.

Die Rektorin der Schule bedauerte, nicht weiterhelfen zu können, da die Schule nur die Räume zur Verfügung stelle. Zu einer Aussprache kam es bis heute nicht. Der Bruder meiner Freundin geht seit diesem Vorfall nicht mehr in den türkischen Unterricht.

Muss es so weit kommen, dass Kinder wegen ihrer Herkunft eingeschüchtert und diskriminiert werden? Wo bleibt die Toleranz? Dieser Leserbrief soll einigen Menschen die Augen öffnen.

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