Leserbriefe

Werden Kinder kluge Maschinensklaven?

19.05.2018 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Raul Guerreiro, Nürtingen. Zum Artikel „Eine Welt ohne Smartphone kennen die Kinder nicht“ vom 5. Mai. Der wichtige Artikel befasste sich mit einem Massenphänomen, das eigentlich vor allem von Pädagogen zu behandeln ist. Es ist gut, uns daran zu erinnern, dass die Computertechnik nicht für Kinder, sondern ursprünglich für die Berechnung der dämonischen Atombombe entwickelt wurde. Erst die spätere tragbare Mikroelektronik und die gigantischen Profitinteressen der IT-Industrie haben es weltweit ermöglicht, dass sich ein unkontrollierter Tsunami von digitalen Abhängigkeiten und robotischen Menschenbeziehungen auch unter Kindern verbreitete.

Kinder befinden sich in einem Entwicklungsstadium, das man Lernen fürs Leben nennt. Gefährdet sind vor allem die Erziehungsstadien von Kindergarten und Grundschule. Die Generaldirektorin der EU-Kommission für Bildung und Kultur sagte vor Kurzem: „Wir müssen den Menschen zurück in den Mittelpunkt der Gesellschaft stellen.“ Und schon Einstein erklärte: „Lernen ist Erfahrung, alles andere ist nur Information“.

Die Illusion der Beschleunigung und Automatisierung der Erziehung hat viele Regierungen in Europa erfasst, ohne die Bedeutung der altersgerechten Nutzung digitaler Medien für die Entwicklung von Kindern zu erkennen. Eltern und Bildungsfachleute sind mit politischen Entscheidungen konfrontiert, welche die Integration von IT-Technologien in die frühkindliche Betreuung und Erziehung vehement fördern. Sie wissen aber nicht (denken wir an den Contergan Arzneimittelskandal), wie die IT-Technologien die Orientierung eines Kindes in Raum, Zeit und innerhalb der analogen Welt beeinflussen. Auch nicht, wie sie sich später auf die Entwicklung von Empathie, Moral und sozialen Kernkompetenzen als Erwachsene auswirken. Dringend notwendig ist jetzt, Wege zu einem gesunden digitalen Ökosystem zu finden. Die Initiative eliant.de hat eine internationale Petition gestartet, die alle fundamentalen Aspekte erfasst. Zum Beispiel: Kindergärten und Grundschulen das Recht und die Freiheit zu garantieren, nur mit analogen Medien zu arbeiten; Pädagogen zu verhelfen, selbst Nutzerkompetenzen zu gewinnen, damit sie bei einer problematischen Mediennutzung Familien unterstützen können; für Eltern das Recht zusichern, eine Form der Medienerziehung zu wählen, die sich an der kindlichen Entwicklung orientiert.

Wer eine intelligente Technik beherrschen will, muss eigentlich vorher seine eigene Intelligenz entwickeln, um nicht von der Technik abhängig zu werden. Kinder sollten nicht zu technisch klugen Maschinensklaven erzogen werden. Es geht um nicht weniger als den Erhalt einer humanen Bildung.

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