Schwerpunkte

Leserbriefe

Weidach und Zukunft – ein altes Problem

25.01.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Gewerbegebiet Weidach: unsäglich“ vom 31. Dezember. Zurzeit wird in Neckartenzlingen mehr oder weniger heftig darum gerungen, was gewichtiger ist: Geld verdienen oder Naturschutz. Ein geradezu klassischer Konflikt, der da schwelt. Der Mensch verändert – zerstört – die Natur schon lange. Neuerdings haben wir gelernt, dass das nicht endlos so weitergehen kann, andernfalls wird mit Sicherheit die Erde unbewohnbar. Aber sollen/können wir auf das verzichten, was wir Wohlstand und Fortschritt nennen? Auch nicht. Und genau das ist auch das Problem hier im Kleinen – bei der Planung eines neuen Industriegebiets am Rande von Neckartenzlingen, in den Ermstalwiesen (Weidach) zwischen Schule und Brücke. Freilich nur ein kleiner Fleck. Aber bei der Umweltzerstörung geht es doch oft genug wieder und wieder um „kleine Flecken“ – mal hier, mal da. Und wenn man aufs Ganze sieht: da addieren sich die „kleinen Flecken“ zum großen Problem. Ich verstehe: ein Dilemma, eine echt schwierige Abwägung für die Verantwortlichen in Neckartenzlingen. Wie viel Natur darf man opfern? Gewerbegebiete, sind sie absolut notwendig? Eine Not wendend? Für den ganzen Ort? Oder sind sie nur gut für einige. Klar: das ist schwer abzuwägen.

Das infrage stehende Gebiet ist ökologisch von hohem Wert. Da gibt es Gutachten. Wie viel wiegt das? Wäre ein Verzicht darauf ein Beitrag für eine erhaltenswerte Welt? Eine schwierige Entscheidung. Ich persönlich hoffe mal, dass die Natur gewinnt. Eine Versiegelung dieses Gebietes erwärmt ohne Frage das Klima dort. Egal? Der Verlust an wertvoller Grünfläche vernichtet mit Sicherheit Lebensraum und Nahrung für kleine Lebewesen und damit für Käfer, Bienen und Vögel. Brauchen wir die wirklich nicht? Aber klar, nur ein kleiner Fleck unter vielen ringsum.

Müssen wir nicht Abschied nehmen vom vielversprechenden „Immer größer – immer mehr“? Neckartenzlingen könnte da ein Beispiel geben, dass es die Zeichen der Zeit verstanden hat. Aber es ist nun mal so: die, die da heute im Gemeinderat zu entscheiden haben, werden die heftigen Folgen des laufenden Wandels kaum noch in aller Härte selber zu spüren bekommen. Das kann noch, nach meinem Wissensstand, zwei bis vier Jahrzehnte dauern; dann aber absolut unumkehrbar und heftig.

Und: die nächste Generation? Aber freilich kann man auch darauf hoffen, dass die Natur sich von all den Schäden, die wir ihr heute zufügen, von selber wieder erholt – oder dass alles schon nicht so schlimm kommt wie befürchtet? Kann man leichtlich – darf man es? Sollten wir nicht auch für die Zukunft verantwortlich denken und handeln?

Leserbriefe