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Von Männern dominierte Kirchen

17.07.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Kommentar „Die Kirche muss uns etwas wert sein“ vom 15. Juli.

Der Kommentator Forstbauer zählt auf: „Von der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit über die Bildung, die Lebensbegleitung vor Ort und den Unterhalt von Kirchen bis hin zu Gottesdiensten – das alles ist Kirche, hier überall steckt Kirchensteuer drin.“

Fakt ist indessen: Die Kirchensteuer fließt zu über 70 Prozent in die reinen Personalkosten. Mit ihr finanziert sich also ein Berufsstand. Die Gehälter der Bischöfe werden sogar komplett vom Staat übernommen. Also auch von Nichtmitgliedern aufgebracht. Das ist ein Skandal.

Die Kosten für kirchliche Krankenhäuser, Heime, Schulen, Kindergärten und so weiter werden zu fast 90 Prozent ebenfalls aus dem allgemeinen Steueraufkommen beglichen.

Fast einzig wird nur in Deutschland eine Kirchensteuer vom Staat eingezogen, was dem nicht wehtut. In den meisten Staaten erheben die Kirchen von ihren Mitgliedern ein Kirchgeld. Selbst im stockkatholischen Polen.

Die Kirchen gehören leider nicht zu den seriösen Quellen, was die Transparenz der Kirchensteuerverwendung anbelangt. Das ist irgendwie systemimmanent. Religionsgeschichtliches Fachwissen, Sonntagspredigt und Katechese bei Kindern klaffen nicht selten meilenweit auseinander. Wer daran etwas ändern wollte, flöge raus aus Abrahams Schoß. Da beginnt die Absicherung bei A13 und geht bis zu B. Wer keine Familie hat, riskiert nicht den Verlust der Alimentierung bis ans Lebensende. Ein Blick in den sogenannten Diözesan-Schematismus (streng gehütet vor den Augen des Kirchenvolkes), wo alle lebenden Priester und deren Wirkungsstätten verzeichnet sind, öffnet die Augen. Ein Ameisenhaufen.

Von Männern dominierte Kirchen, in denen Frauen verwehrt wird, Ämter und Weihen zu bekommen, gleichrangig neben Männern, die oft diese Bezeichnung gar nicht verdienen, verlieren zu Recht ihre Mitglieder und Steuerzahler. Glaube und Spiritualität braucht allenfalls Gemeinschaft, aber keinen Staat im Staate.

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