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Verfahrensfreie Frist bis zum Endspiel

14.06.2014 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Public Viewing im Biergarten oder Saal“ vom 11. Juni. Public Viewing war ein Kriterium für die Auswahl eines Biergartenbetreibers am Neckar. Aber ein Ausschlusskriterium! Am 1. April sprach der dritte Bewerber von einer Großleinwand auf der Neckarinsel. Da hieß es wörtlich: „Public Viewing? Dort unten? Das geht gar nicht!“ Der Zuschlag ging dann an den Gastronomen Ruthenberg, der von einem lauschigen Ort am Neckar erzählte, wo man beim kühlen Weizen die Seele baumeln lasse. Und wörtlich: „Für die WM-Spiele stelle ich dann halt einen Fernseher auf.“ Außerdem nur die Deutschlandspiele.

Dieser Wirt bemüht sich schon seit sechs Jahren, als Investor auf das Gelände zu kommen. Ein Seelenverwandter der stillen Absichten von OB Heirich. Denn der habe ihn schon vor anderthalb Jahren ermuntert, sich zur Nutzung des Areals Gedanken zu machen. Da war der FKN noch gekündigt. Seit dem 21. Januar aber nicht mehr. Flugs ist sieben Tage später der OB mit seinem designierten Wirt zur Geländeinspektion angetreten. Mitte April dann hat das Landratsamt eine Bebauung des Dammes ausgeschlossen und die Fläche ab dem Weg zum Wasser als tabu erklärt. Also hat der OB kurzerhand den Platz vor der FKN konfisziert, der bereits für Sommeraktionen der Akademie verplant war. Die Künstler sind fügsam gewichen. Der Platz zwischen Weg und Fluss wird dennoch genutzt.

Mangels eines genehmigungsfähigen Baugesuchs hat man dem Wirt eine verfahrensfreie Frist bis zum Endspiel definiert (Landesbauordnung Paragraf 50). Die nötige Begründung fand sich in den WM-Spielen. Da verfahrensfrei, sind die ordnungsrechtlichen Ämter des Rathauses derweil mit Maulkorb auf die Tribüne geschickt worden. Ein Fernseher wurde zur LED-Wand, ein paar Deutschlandspiele zum kompletten Turnier, ein Öko-Gebiet der Allgemeinheit zu privatwirtschaftlichem Volksfestgelände. Einmal mehr hat der Rathauschef zwar seine Ämter aus dem Spiel genommen, aber beim Volke gepunktet: Brot und Spiele, das geht immer. Auch wenn dazu getrickst wird, dass sich die Balken biegen. Ein Gemeinderats-Beschluss wird missachtet, die FKN-Front ist im Belagerungszustand, und wer das Kind beim Namen nennt, der wird durchs Dorf getrieben.

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