Leserbriefe

Verantwortung für Gewalt

21.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Udomar Rall, Nürtingen. Zum Artikel „Gewalt wird gelernt“ vom 14. März. Wir müssen damit rechnen, dass sich Amokfälle wie Winnenden wiederholen. Es wird immer Menschen geben, die ihre Situation, ihre empfundenen Demütigungen nicht verkraften und mit einer spektakulären Gewalttat gegen andere und/oder sich selbst dem inneren Druck explosionsartig nachgeben. Die schreckliche Tat von Winnenden/Wendlingen lässt uns den jungen Täter wie ein Monster erscheinen, das er aber offensichtlich nicht war. Es sind mehrere Ursachen, die zu solchen Unglücken führen und die auch erkannt wurden, zum Beispiel Mobbing. Hier müssen die Schulen im Unterricht mehr auf dieses Problem eingehen und Schüler und Eltern sensibler machen, um schwächere oder ausgegrenzte Mitschüler nicht der Willkür Stärkerer zu überlassen.

Thema Waffen: Wozu braucht ein Privatmann überhaupt eine Schusswaffe, ein potenzielles Mordinstrument? Ich würde es begrüßen, wenn Schusswaffen in Privatbesitz nicht mehr geduldet werden würden. Mit einem Messer kann man auch töten, aber zu so vielen Opfern wäre es bestimmt nicht gekommen. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass es noch größere Gefahren gibt. Amokläufer könnten auch in Besitz von Handgranaten und Bomben kommen. Vielleicht entsprechen diese Waffen aber nicht den typischen psychischen Bedingungen von Amokläufern. Vielleicht sind es eher die Vorbilder aus Actionfilmen und vor allem Killerspielen, die zu Schusswaffen greifen lassen, um ganz cool einen nach dem anderen abzuknallen. Vor Jahren wurde von einigen Wissenschaftlern der Einfluss von Killerspielen auf das Verhalten von Menschen verharmlost, je nach Auftraggeber von Studien. Inzwischen finden aber Experten wie der Hirnforscher Spitzer immer mehr Beachtung. Danach sind gravierende Einflüsse auf die Psyche festzustellen. Nun frage ich mich: Warum werden Spiele, in denen zum Spaß Menschen umgebracht werden, nicht wie Volksverhetzung oder Kinderpornographie geächtet und per Gesetz untersagt? Wer solche Spiele programmiert, ist doch absolut pervers! Und wer sie verkauft, dem fehlt jegliche Moral als Geschäftsmann.

Und die Verbraucher? Wenn man durch die Programme klickt, sieht man Tag für Tag in jedem zweiten oder dritten Kanal direkt in den Lauf einer Pistole. Was im Mittelalter die öffentlichen Hinrichtungen als Volksbelustigung waren, scheinen heute die Gewaltdarstellungen im Fernsehen zu sein. Brauchen die Zuschauer so viel Gewalt? Wir alle tragen die Verantwortung als Konsumenten und gestalten mit unserem Konsum von Medien eine Gesellschaft mit Tendenz zur Gewalt oder zur gegenseitigen Achtung.

Leserbriefe

Frauenrechte sind Menschenrechte

Ursula Funkenweh, Neuffen. Zum Artikel „Feministinnen, lasst die Frauen in Ruhe!“ vom 8. März. „Frauenrechtlerinnen kämpfen um Aufmerksamkeit – aber nicht mehr für die Sache der Frau“, so lautete die steile These der Redakteurin. Eine Ohrfeige für alle Frauen, die sich einsetzen für…

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