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Unter dem Deckmantel der Kunst

25.08.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Herbert Ruff, Oberboihingen. Zum Artikel „Keine Gnade für Pussy Riot“ vom 18. August. Die Christi-Erlöser-Kathedrale in Moskau ist nicht irgendeine Kirche in Russland, sondern diejenige mit der höchsten Symbolkraft des russischen orthodoxen Glaubens. Josef Stalin ließ sie 1931 abreißen. Welche Arroganz der Macht!

Der Abriss wurde in der damaligen russischen Wochenschau gezeigt und ist somit für die Nachwelt dokumentiert. Boris Jelzin ließ die Kirche ab 1990 originalgetreu wieder aufbauen. Sie ist somit ein Mahnmal für den Untergang einer gottlosen Diktatur.

Das Gotteshaus ist ein architektonisches Kunstwerk, mit 6800 Quadratmetern Grundfläche und circa 10 000 Stehplätzen. Ich konnte diese Kirche 2004 besuchen und auch mit einer jungen Russin über deren orthodoxen Glauben sprechen. Es wäre mir nie eingefallen, dieser Kathedrale meinen Respekt durch ungehöriges Benehmen zu versagen.

Genauso habe ich nicht meinen Respekt gegen andere Gotteshäuser zum Beispiel Moscheen oder Synagogen versagt, in denen ich schließlich zu Gast war. Die Aufführung der Punkband Pussy Riot in der Christi-Erlöser-Kirche ist eine große Unverschämtheit, die nicht toleriert werden muss, und hat mit der Freiheit der Kunst nichts zu tun. Kunst kommt von Können, nicht von Wollen, denn sonst müsste es ja Wunst heißen.

Man stelle sich vor, in Deutschland würde jemand in eine Moschee stürmen und politische Statements abgeben bei gleichzeitiger Schmähung von Allah. Was für ein Aufschrei würde durch die deutschen Medien gehen mit massiver Beschwichtigung seitens der Politik aus Angst vor Ausschreitungen!

Hingegen haben viele Medien bisher größtes Verständnis für die Handlung der jungen Frauen gezeigt. Dabei steht auch bei uns im Strafgesetzbuch, Paragraf 166, dass wer eine Religion schmäht, mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden kann.

Fakt ist, die jungen Frauen haben ganz bewusst ein Tabu gebrochen, indem sie in blasphemischer Weise die Gefühle der orthodoxen Christen verletzt haben. Man braucht sich nur den Text ihres Liedes im Internet anzuschauen wo die Zeile steht: Gottes Sch . . ., Gottes Sch . . . und so weiter. Folglich müssen sie auch die Konsequenzen tragen, denn die Frauen sind gewiss nicht unbedarft, da sie alle studiert haben.

Friedrich Schiller hat in dem „Lied von der Glocke“ geschrieben: „Nichts Heiliges ist mehr, es lösen sich alle Bande frommer Scheu“. So ist es! Es steht uns nicht zu, die Empfindlichkeiten der russischen orthodoxen Gläubigen zu ignorieren.

Zwischen dem Osten und dem Westen besteht seit mindestens 500 Jahren aus slawischer, Sicht ein großer kultureller, religiöser und politischer Unterschied, der fast nicht zu überbrücken ist.

Die Russen haben deshalb auch eine große Furcht vor dem, ihrer Meinung nach, dekadenten, in vielem liberalisierten und deshalb zunehmend tabulosen Westen. Dort, wo unter dem Deckmantel der Kunst Tabus gebrochen werden dürfen.

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