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Ukraine – aus der Geschichte lernen?

18.07.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Genug Gas für alle – man muss es nur wollen“ vom 2. Juli.

Mir fällt es schwer, das zu verstehen: Da wird nach fast 80 Jahren fast vollständigen Friedens in Europa ein freies Land ohne die geringste akzeptable Begründung brutal von einer Großmacht überfallen und übel zugerichtet – offensichtlich mit einem Schwerpunkt auf zivile Menschen und Ziele; übergroße Verluste und gewaltiges Leid entstehen. Der Westen mag nicht alles richtig gemacht haben, aber eine Berechtigung für diesen Krieg hat er gewiss nicht geliefert. Seine relativ maßvollen Gegenmaßnahmen sind die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland, die natürlich auch unser Land negativ betreffen und zurzeit unsere Gasversorgung gefährden.

Und anstatt sich über den Aggressor zu empören, versucht ein Leserbriefschreiber Ursache und Wirkung zu verkehren und die Ursache des Lieferstopps von Gas dem Westen zuzuschieben: der Westen sei schuld an dem teilweisen Lieferstopp, weil es gegen Russland Sanktionen verhängt habe. Die Kriegsschuld erwähnt er nicht – die eigentliche Ursache. Und das in einem Ton der einfachen, unschlagbaren Wahrheit. Das kann keinen anderen Zweck haben, als den Westen zu verunsichern, so nach dem Muster: „Vielleicht ist ja doch etwas dran.“

Dabei weiß man doch seit Längerem, dass von Russland eine Propagandawelle ausgeht, die allen Tatsachen Hohn spricht – zum Teil mit abenteuerlichen Lügengeschichten. Wie kann ein verantwortungsvoller Schreiber dergleichen in die Nürtinger Zeitung tragen? Ein Anhänger des Kremls? Jetzt immer noch? Sieht/kennt er nicht die vielen mutwillig zerstörten Wohnhäuser in der Ukraine et cetera? Die Frage ist doch: wie geht man mit einem zu allem entschlossenen Diktator um? Hatten wir das nicht schon einmal? Chamberlain hat versucht, Hitler in eine Friedensordnung einzubinden, indem er ihm die unrechtmäßige Eroberung der Tschechoslowakei zugestand – gegen das Versprechen von Frieden. Und was war die Folge? – Der Einmarsch in Polen. Wie viel kann man aus der Geschichte lernen?

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