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Leserbriefe

Überforderung?

18.08.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Elke Kuhlmann, Beuren. Zum Artikel Polizei rettet Baby aus Tierkot und Müll vom 15. August. Ich mag das Wort Überforderung nicht mehr hören. Es wird fast immer gebraucht, wenn jemand alles stehen und liegen lässt und sich aus dem Staube macht. Eine Mutter mit Partner, eine kleine Tochter und drei Katzen...und schon sind die Erwachsenen völlig überfordert. Sie schließen die Türe ab hinter all dem Dreck und dem jungen Leben und gehen ihren eigenen Interessen nach.

Wie war das noch mal in und nach den Kriegsjahren? Meine Mutter mit drei kleinen Kindern auf der Flucht vor dem Tod, allein. Eine Behausung für jeden Tag musste gesucht werden. Nur ein Dach über dem Kopf. Waren die Lebensmittelkarten und die Baracken komfortabler als Hartz IV? Nach Jahren des Mangels konnte endlich der Vater aus der Gefangenschaft kommend seine drei sauberen Kinder in die Arme schließen. Überforderung? Nein, Pflichtgefühl und Mutterliebe. Natürlich gibt es Mütter, die mal am Ende sind mit ihrer Kraft. Es gibt viele Möglichkeiten, sich Hilfe zu erbitten. Davonlaufen ist nicht Überforderung, sondern verantwortungslos, dumm, herzlos und kriminell. Wenn mir so jemand mal begegnete, dem würde ich zumindest ganz schön den Marsch blasen.

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