Leserbriefe

Stuttgart und seine Oberbürgermeister

19.01.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hans Müller, NT-Oberensingen. Zum Artikel „Stadtansichten“ vom 12. Januar. Stuttgart hatte ein sehr schönes und eindrucksvolles großes Rathaus im neogotischen Stil. Auf dem Foto ist dieses alte Rathaus nach Kriegsende als teilweise zerstörtes Gebäude inmitten des Trümmerfeldes der Umgebung zu sehen. Als Kind habe ich diese Szene einst selbst erlebt. Es war dann der erste Stuttgarter OB Klett, der damals den Abriss des Hauptgebäudes veranlasst hat. Die Rückgebäude sind ja heute noch zu sehen.

In diesen Tagen wird der derzeitige OB Schuster als würdiger Nachfolger der verdienten Vorgänger Klett und Rommel gefeiert, nachdem er mitgeteilt hat, dass er sich bei der nächsten Wahl 2013 nicht mehr bewerben will. Viele Stuttgarter bedauern das, weil sie ihn bei der nächsten Wahl lieber selbst abgewählt hätten. Und unser früherer Ministerpräsident Mappus hat ja bereits vorhergesagt, dass OB Schuster nicht mehr kandidieren wird.

Alle diese OBs haben es immerhin geschafft, dass die Stadt Stuttgart immer mehr ihr Gesicht verloren hat. Nur mit Mühe wurde einst verhindert, dass die Markthalle abgerissen wurde, und nur eine hauchdünne Mehrheit hat sich für den Wiederaufbau des Neuen Schlosses gefunden. Der Kronprinzenbau wurde aber abgerissen. Dort steht heute der Glaspalast des Kunstmuseums. Man kann es sich nicht vorstellen, wie die Stadt heute aussehen würde, wenn es diese alten Gebäude nicht mehr gäbe beziehungsweise eine der heutigen Zeit entsprechende Bebauung vorhanden wäre.

Aber das größte Verdienst des OB Schuster ist es sicher, dass er Mit-Initiator von S 21 ist, wobei wieder ein Wahrzeichen der Stadt Stuttgart zerstört wird und das eindrucksvolle Gebäude der früheren Reichsbahn-Direktion abgerissen wird. Es soll allerdings die Fassade zur Straße hin stehen bleiben, um diese Situation zu kaschieren. In Russland zur Zarenzeit nannte man das Potemkinsche Dörfer. Der Günstling Potemkin hat in den Orten, durch die die Zarin fuhr, tolle Fassaden aufbauen lassen, um einen guten Eindruck zu machen. Inzwischen ist der Protest gegen S 21 weltweit bekannt und die Bilder vom Abriss des Südflügels des denkmalgeschützten Bonatz-Bahnhofs werden um die Welt gehen und für Unverständnis für eine derartige Entscheidung sorgen. Wie die Zukunft diese Entscheidung beurteilt und in welcher Form dann die Namen der Akteure, positiv oder negativ, in die Geschichtsbücher eingehen, bleibt abzuwarten.

Leserbriefe

Nürtingen und das Hölderlin-Haus

Ingrid Dolde, Großbettlingen. Zum Artikel „Ein eigenes Haus für Hölderlin“ vom 14. Januar. Nun ist man beim Hölderlinhaus praktisch wieder da, wo man vor mehr als zehn Jahren schon einmal war. Von wegen Sanierung. Die jetzt beschlossenen Pläne bedeuten nichts anderes als einen Abriss in weiten…

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