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Stuttgart 21 und die Gutachten

21.12.2016 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Främke, Neckartailfingen. Zum Artikel „S21: Land und Stadt fordern Sondersitzung“ vom 15. Dezember. Es ist eigentlich eine Unverschämtheit: Seit Jahren verschleppt der Aufsichtsrat der Bahn die Aussprache über die wahren Kosten und Risiken bei S21. Als vor mehr als einem Jahr das zuverlässige Vieregg-Rössler-Gutachten mit zehn Milliarden Euro S21-Kosten veröffentlicht wurde, entzog sich der Aufsichtsrat seiner Verantwortung und beauftragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einem eigenen Gutachten. 170 Seiten KPMG-Gutachten liegen nun schon seit vielen Monaten beim Aufsichtsrat, werden aber als „Geheim“ eingestuft und einfach nicht zur Kenntnis genommen. Jetzt endlich sollte in der Sitzung am 14. Dezember die Wahrheit auf den Tisch, aber schon wieder wurde das S21-Thema auf 2017 verschoben. Ein riesiger Skandal, der einer Insolvenzverschleppung ähnelt.

Aus dem „geheimen“ Gutachten wurde mittlerweile das vernichtende Urteil der KPMG überall bekannt: Die vielen Kilometer Tunnel im Anhydrit sind bodenloser Leichtsinn, die eventuelle Fertigstellung kommt nicht vor 2024 und für die genannten Kosten von 6,3 bis 6,7 Milliarden Euro gilt der KPMG-Vorbehalt, dass die Bahn nur ausgewählte Unterlagen zeigte. Die voraussichtlichen Gesamtkosten konnten deshalb gar nicht ermittelt werden. Dazu liegt der Bahn aber das Gutachten des Bundesrechnungshofs vor mit den Kosten von neun bis zehn Milliarden, in dem unter anderem steht, dass S21 womöglich gar keine Betriebserlaubnis erhalten würde wegen der höchst gefährlichen und verbotenen Neigung der Gleise im Tiefbahnhof.

Hinzu kommt das weitere Gutachten von Vieregg-Rössler mit den 6,5 Milliarden Euro Einsparungen, die mit dem S21-Baustopp und dem Umstieg auf einen modernisierten Kopfbahnhof möglich sind. Vier Gutachten, die der verantwortliche Bahn-Aufsichtsrat nicht einmal begreifen und beraten will. Wem nützt das? Die Partner von S21 wollen sich jetzt auch mit der Bahn vor Gericht treffen, um über Geld und Sprechklauseln zu streiten. Eine weitere S21-Goldgrube für Juristen. Immerhin gibt es aber eine gute Nachricht in der Nürtinger Zeitung: Die grünen Partner Verkehrsminister Hermann und OB Kuhn fordern eine Sondersitzung des S21-Lenkungskreises, damit wenigstens in diesem bisher stets zahnlosen Gremium über die Risiken der vielen Tunnel im Anhydrit gesprochen wird. Man wird sehen.

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Die Konsequenzen bleiben nicht aus

Reinmar Wipper, NT-Roßdorf. Zu den Artikeln „Das andere Abitur“ und „Abitur in Ausnahmezeit der Pandemie“ vom 3. Mai. Seit Corona übertreffen sich Politiker und Medien sowie etwa 50 Millionen Virologen, Statistiker und Propheten darin, diese Krise gesund und zu einem guten Ende zu beten. Im…

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