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Stolz und entsetzt zugleich

25.06.2014 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Roland Appl, Nürtingen. Zum Artikel „Fußball-Fieber an der Fischtreppe“ vom 17. Juni. Als damaliger Vorsitzender der Nabu-Gruppe Nürtingen und Umgebung, die im Jahr 2005 zusammen mit dem Anglerverein Nürtingen und der Stadt Nürtingen die Fischtreppe initiiert hat, indem eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wurde, bin ich einerseits stolz darauf, was aus dieser ersten Idee entstanden ist – und andererseits entsetzt, wie sich die Dinge nunmehr entwickeln.

Stolz bin ich, weil am Neckar ein Ort geschaffen wurde, der die ab 2015 gesetzlich vorgeschriebene Durchgängigkeit des Neckars an dieser Stelle sicherstellt, darüber hinaus aber auch eine Plattform geschaffen wurde, um das Neckarufer neu zu entdecken.

847 000 Euro an Zuschüssen, sei es aus den Programmen „Unser Neckar“ des Landes Baden-Württemberg und der „Lernorte am Neckar“ der Region Stuttgart, sowie der Stadtwerke Nürtingen, die aufgrund der ökologischen Aufwertung des Neckars einen höheren Strompreis erhalten, flossen in diese Maßnahme. Selbst ohne Biergarten wurde hier eine neue Attraktion für Nürtingen geschaffen, die so dem Slogan „Stadt am Fluss“ einen großen Schritt näher gekommen ist

Dass aber jetzt eine als ökologischer Ausgleich gedachte – und nicht unerheblich bezuschusste – Maßnahme als Ort für „Public Viewing“ im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft genutzt wird, macht mich nahezu sprachlos! Auf einer als Ruhezone gedachten Insel wird eine Großbildleinwand aufgestellt, frisch eingesäter Rasen wird von Hunderten von Besuchern „plattgesessen“.

Andere Städte verlegen derartige Großveranstaltungen auf eigens gesperrte Straßen oder auf Festplätze. In Nürtingen wäre dies auch möglich gewesen – sowohl der Oberensinger Festplatz als auch die Interims-Parkplätze auf dem Wörth-Areal wären hier Alternativen gewesen und beide liegen sogar am Neckar. Mit wie wenig Sensibilität hier von Seiten der Stadt Nürtingen vorgegangen wird, entsetzt mich!

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