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Stierkampf: Die Qual der Tiere vergessen?

18.01.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rainer Essl, NT-Reudern. Zum Artikel „Junge Deutsche mischt Spaniens Stierkampfszene auf“ vom 3. Januar.

Es ist doch erstaunlich, wenn nicht gar widersinnig, dass eine junge Frau wie Clara Kreutter sich zu diesem mehr als zweifelhaften Sport des bestialischen Tötens von angezüchteten Stieren hergibt. Diese Kampfart, in der die Kreatur Stier von vornherein der Verlierer ist, ist nichts anderes als eine Tierquälerei im höchsten Maße. Das Leiden dieser Tiere bis zum finalen Todesstoß ist so grausam, da Lanzenreiter dem Stier mit Lanzen (Picas) in den Nackenmuskel stoßen. Das Quälen setzt sich fort, indem Spieße mit Widerhaken und Bändern in den blutenden Nacken getrieben werden. Das geschieht alles vom Pferderücken aus, wobei sich die Lanzenreiter (Picodores) einer geringen Gefahr aussetzen. Erst wenn dem Stier die Kräfte schwinden, kommt der Stierkampfstar und tötet den Stier mit einer Lanze, wobei er oft das Herz verfehlt und dadurch die Erlösung durch den Tod hinausgezögert wird.

Es gibt zu denken, ob Frau Kreutter sich im tiefsten Herzen bewusst ist, was sie da tut, denn vor dem eigentlichen Kampf wurde der Stier so gequält, dass er die Arena in Panik, Angst und Schmerzen erstürmt. Dieses Gebaren wird mit Wildheit assoziiert, das ist jedoch keineswegs der Fall, es ist der Drang, seinen Peinigern zu entkommen. Es werden jedes Jahr Tausende dieser armen Kreaturen auf der Iberischen Halbinsel so zu Tode gequält, wobei sie auf der Weide wie normale Kühe grasen und zuweilen aus der Hand fressen. Das wird natürlich unterbunden, denn ein solcher Stier muss zum Monster mutieren, egal auf welche Art.

Der Widerstand gegen dieses bestialische Schlachten ist offensichtlich, da ein abnehmendes Interesse am Stierkampf in der Hochburg Spanien festzustellen ist und in einigen Bezirken schon verboten ist, nun kann man Clara Kreutter, die in unserer Zeitung in Szene gesetzt wurde, nicht als sportliches Idol bewerten, vielmehr sollte man sich die Frage stellen, wie sich solch ein Sadismus beim Töten einer relativ hilflosen Kreatur im Kopf von Clara Kreutter entwickeln konnte.

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