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Leserbriefe

Statistik anders auslegen

08.08.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hermann Volkert, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief Aufklärung ist gefragt vom 4. August. Herr Epple betont in seinen Leserbriefen immer wieder, dass statistisch gesehen Radwege unfallträchtiger sind als die Fahrbahn. Jetzt stellt sich für mich die Frage: warum? Eine mögliche Ursache könnte dabei doch auch das Verhalten einzelner Radfahrer sein! Radfahrer, die auf schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Rad fahrende Kinder oder langsam fahrende Radler keine Rücksicht nehmen. Oder aber Radfahrer, die am Ende des Radwegs, wenn sie wieder auf die Fahrbahn müssen, nicht den Vorrang des Verkehrs auf der Fahrbahn beachten und einfach, meistens noch ohne Handzeichen zu geben, in den fließenden Verkehr einfahren. Bei all diesen Vorgängen ist meiner Meinung nach nicht der Radweg die Unfallursache, sondern das Verhalten Einzelner. Bei den meisten Unfällen ist nicht die Straße schuld, sondern das Fehlverhalten und Nichtbeachten der Regeln durch die Verkehrsteilnehmer.

Meine Kinder (neun und zehn Jahre alt) sind froh über jeden Radweg, den sie benutzen dürfen und der ihnen, gerade wenn man auf dem Fahrrad noch nicht so ganz sicher ist, Schutz bietet. Auch meine Mutter (78 Jahre alt) fährt fast noch jeden Tag Fahrrad und ist über jeden Radweg froh. Einer meiner Söhne hatte allerdings auf dem Radweg auch schon einen Unfall. Ein flotter Mountainbiker kam von hinten schnell herangefahren und hat ihn schlicht und ergreifend über den Haufen gefahren. Ist jetzt der Radweg schuld? Nein, der Biker hatte keine Klingel (zu der hat es beim 3000-Euro-Bike nicht mehr gereicht) und konnte sich nicht bemerkbar machen. Auch dieser Unfall taucht in der Statistik als Unfall auf dem Radweg auf und wird dann von Herrn Epple dazu benützt, gegen Radwege zu wettern.

Man kann die Statistik ja auch anders deuten. Wenn auf der Fahrbahn so wenig Unfälle mit Radfahrern passieren, so sind die Autofahrer vielleicht doch nicht so rücksichtslos wie immer dargestellt und die vielen Unfälle auf den Radwegen haben oft mit dem Fehlverhalten der Radfahrer zu tun. Auch so könnte man die von Herrn Epple zitierte Statistik auslegen.

Was den Vorwurf von Herrn Epple an die Lehrer und in einem früheren Leserbrief auch an die Polizei angeht, kann ich nur meine Äußerungen auch von einem früheren Leserbrief wiederholen: es gibt in Baden-Württemberg in allen Grundschulen verpflichtend in der vierten Klasse die Radfahrausbildung mit theoretischer und praktischer Prüfung. Allein in Stuttgart sind 16 Polizeibeamte (!) mit dieser Aufgabe betraut. Den theoretischen Teil decken die Lehrer mit vorbereitendem Unterricht ab. Am Wissen liegt es bestimmt nicht, wohl eher am Wollen!

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