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Stadt Nürtingen und das Hölderlinhaus

07.08.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wolf Remppis, Nürtingen. Zum Artikel „Gemeinderat hat die Kröte geschluckt“ vom 30. Juli. Der Stadtrat hat abgestimmt. Das Ergebnis der Abstimmung ist keine Überraschung, es war genauso vorhersehbar. Das Ergebnis ist so wie man es die letzten Nachkriegsjahrzehnten von derartigen Abstimmungen in Nürtingen gewohnt ist: Abriss statt Restaurieren, Klotzen statt Fantasie. Auch die Begründung wie immer: „Zurück auf null kommt nicht in Frage“ beziehungsweise „Es sind schon zu viele Jahre mit Planungen vergangen“. Das sind in der Tat hieb- und stichfeste Argumente für einen Abbruch des Hölderlinhauses. Gerade so, als ob Versagen in der Vergangenheit eine Rechtfertigung für Fehlplanungen in die Zukunft wäre.

Das muss man sich schon mal auf der Zunge zergehen lassen, da hat der große Dichtersohn der Stadt Nürtingen, Friedrich Hölderlin, seinen 250igsten Geburtstag und just in diesem Jahr wird sein Wohn- und Schaffenshaus plattgemacht. Vielleicht heißt es ja zukünftig, wenn etwas ganz besonders schiefgegangen ist „Nürtingen lässt grüßen“ statt „Schilda lässt grüßen“. In Zukunft wird also am Eingang zur Nürtinger Altstadt ein riesiger Koloss stehen, der First dieses Kolosses wird das Hölderlinhaus um 3,20 Meter überragen und wird eine Dachform haben, die so gar nicht ins Stadtbild passt und deshalb, laut Nürtinger Stadtbildfibel, so auch gar nicht zulässig ist.

Vor mir auf meinem Schreibtisch liegen zwei Dokumente überschrieben mit Aldinger Architekten. Das eine Schriftstück ist überschrieben mit Berechnungen nach DIN 277 – Bestandsgebäude und damit die Berechnungsgrundlage für das Abbruchgesuch. Dort ist eine Gesamtnettogrundfläche nach DIN 277 (NGF) mit 1268 Quadratmeter angegeben. Das zweite Schriftstück ist überschrieben mit Berechnung nach DIN 277 – Berechnungsgrundlage Baugesuch. Dort ist eine Gesamtnettofläche nach DIN 277 (NGF) mit 1295,6 Quadratmeter angegeben. Bildet man nun die Differenz der beiden Nettoflächen, so ergibt sich ein Flächenplus von stolzen 27,6 Quadratmeter. Das genannte Flächenplus von 150 Quadratmeter kann mit der mir bekannten Mathematik nicht berechnet werden. Eine wichtige Frage bleibt noch offen.

Wo in der Altstadt wird die Tiefgarage beziehungsweise das Parkhaus gebaut, um die erforderliche Anzahl von 21 Kfz-Stellplätzen für das neue Verwaltungsgebäude der VHS zur Verfügung zu stellen?

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