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Leserbriefe

Stadt kümmert sich nicht um Ordnung

09.10.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jochen Bareiss, Nürtingen. Zum Leserbrief „Stadt lässt ihre Bürger im Stich“ vom 10. September. Das Thema Mevlana-Moschee wird zurzeit heiß diskutiert. Nachdem ich inzwischen von vielen Bürgern zu dem Thema angesprochen wurde, inwiefern wir als Anrainer der Moschee davon betroffen sind und warum die Stadt sich so untätig verhält, habe ich mich entschlossen, öffentlich die Fakten zu dem Thema darzustellen.

Zunächst ist festzustellen, dass es für den Betrieb der Mevlana-Moschee klare und verständliche Vereinbarungen zur Nutzung zwischen der Stadt Nürtingen und den Betreibern der Mevlana-Moschee gibt. Diese Nutzungsbestimmung basiert auf den Darstellungen der Betreiber, wie die Moschee genutzt werden soll, und den von der Stadt auferlegten Einschränkungen. Wenn also die Anrainer die Zustände bemängeln, die sich aus dem Betrieb der Moschee und der dortigen Koranschule ergeben, so ist dies kein Nachbarschaftsstreit. Es ist vielmehr die Aufforderung an die Stadt, die bestehende Nutzungsbestimmung endlich durchzusetzen. Schließlich hat die Stadt nicht ohne Grund diese Vorschriften auferlegt. Bei einer konsequenten Umsetzung wäre schon viel gewonnen.

Wenn zum Betrieb der Moschee voraussetzt wird, dass diese ab 21 Uhr geschlossen wird, so muss die Stadt sich den Beschwerden um die tägliche Nutzung bis 23 Uhr und auch darüber hinaus offensiv stellen. Wenn Feiern zu islamischen Feiertagen angeblich nicht in der Tiefenbachstraße 4 abgehalten werden, warum feiert die Mevlana-Moschee dann dort seit Jahren unbehelligt in immer ausgedehnterer Form?

Wenn die Nutzungsbestimmung es nicht erlaubt, sich im Hinterhof der Moschee zu Unterhaltungen und zu Vereinszwecken zusammenzufinden, warum gibt es dann dort einen überdachten Platz im Freien, an dem täglich, ohne Ausnahme, von 6 Uhr morgens bis weit in die Nacht hinein angeregt diskutiert wird? Unverständlich ist auch, warum eine Anfrage von Anrainern an OB Heirich, Bürgermeister Siebert und den Leiter des Ordnungsamtes, Herbert Benker, wie denn nun die Stadt zur Durchführung des Ramadan in der Moschee steht, einfach unbeantwortet bleibt.

Effekt: 30 Tage Nachtruhestörung, 30 Tage quengelnde Kleinkinder, die um 23 Uhr von Moscheebesuchern geweckt werden. Als Bürger von Nürtingen ist es mir wichtig, dass die Stadt zu ihrer Verantwortung steht und das Thema dementsprechend wahrnimmt. Sonst bleibt es kein Einzelfall, wenn die Gegend um die Moschee mit Aufklebern rassistischer Parolen der NPD beklebt wird und Wurfsendungen mit „Moschee raus aus Nürtingen“ verteilt werden, wie kürzlich geschehen. Solche Parteien können nur ein Vakuum besetzen, das die Stadt durch ihre bestehende Haltung erzeugt hat. Ich distanziere mich auch im Namen der Anrainer von den Aussagen und Zielen der NPD. Allerdings habe ich, ob der Radikalisierung des Themas, Angst um eine Fehlentwicklung in der Sache.

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