Leserbriefe

„Seelsorger“ lassen verletzte Seelen zurück

14.03.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Klaus-Dieter Tempel, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Abschied von der Johanneskirche“ vom 26. Februar. Als Freund der Johanneskirche tut es mir richtig weh, vom endgültigen Abschied zu lesen, denn der Freundeskreis hat jahrelang versucht, den Abriss zu verhindern. Seit 2011 hat er Unterschriften für den Erhalt gesammelt und viele Male zur Mahnwache vor der Kirche eingeladen. Ein letzter Versuch war das mit Erfolg beantragte Bürgerbegehren, das die Stadt Wendlingen im November 2016 durchführen musste.

Wenn nun die Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen vom 2. bis zum 14. März dazu einlädt, die geöffnete Kirche zu besuchen, um stillen Abschied zu nehmen, dann nenne ich das die „große Heuchelei“. Seit 2011 war diese Kirche mindestens an drei Sonntagen im Monat geschlossen. Eine Feierlichkeit anlässlich des 50-jährigen Jubiläums 2014 fiel einfach aus. Einst wurde sie zum Lobe Gottes errichtet und sollte so zeitlos lange bestehen wie andere Gotteshäuser auch.

Der Unterboihinger Kirchengemeinde wurde ihre Kirche schon längst genommen. Mit den Stimmen der damals amtierenden Pfarrer wurde das Aus für die Kirche beschlossen. Obwohl die Kirche noch steht, dachte niemand der Verantwortlichen daran, sie so lange wie möglich zu nutzen, um der Gemeinde das Evangelium zu verkündigen.

Es wurde demonstriert, dass diese Kirche nicht mehr gebraucht wird. Dabei wurde sie einst mit großen Opfern, von zum Teil heute noch lebenden Gemeindegliedern, erbaut. Der Freundeskreis hat mehrfach Vorschläge gemacht, wie die Kirche, auch mit veränderter Nutzung, hätte erhalten werden können. Er wurde von den drei Pfarrern und dem Kirchengemeinderat jeweils vehement zurückgewiesen. Der Initiator der Mahnwachen, Viktor Ziegler, hat seinen Schmerz über die vergeblichen Bemühungen vor zwei Jahren mit ins Grab genommen. Und die jetzt amtierenden Pfarrer haben es nun mit einer Gemeinde zu tun, die erlebt hat, was und wie Kirche eben nicht sein soll.

Der Abschied vieler hat schon längst stattgefunden. Auch ich muss diese Kirche nicht noch einmal besuchen. Schmerz, Enttäuschung, auch Zorn und Wut bleiben zurück. Die dafür verantwortlichen „Seelsorger“ haben verletzte Seelen zurückgelassen. Daran kann die momentan geöffnete Kirche, die geschlossen blieb als sie noch hätte offen sein können, nichts mehr ändern.

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