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Schnelltests und die Beispielrechnungen

10.03.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Alexander Krohmer, Beuren. Zum Artikel „Die meisten positiv Getesteten sind nicht infiziert“ vom 5. März. Zahlen zu Corona-Schnelltests sind falsch. Die meisten Getesteten sind nicht infiziert, schreibt der Autor, dass verdeutlicht werden muss, wie die Tests zu interpretieren sind. Dies muss allerdings auch für diesen Artikel dringend geschehen: In der zitierten Beispielrechnung wird davon ausgegangen, dass die eingesetzten Tests eine Sensitivität von 80 Prozent haben. Unter dieser Annahme ist es natürlich rechnerisch richtig, dass 13 korrekt positiv und neun als nicht infiziert, also falsch-negativ, erkannt werden würden. Dies ist zwar mathematisch korrekt, allerdings mit völlig falschen Ausgangszahlen: Aktuell zugelassene Schnelltests haben eine Sensitivität von 97 bis 98 Prozent. Bei 22 Infizierten und einer Sensitivität von 97 Prozent werden also 21 als richtig-positiv und nur einer als falsch-negativ erkannt.

Die zweite Zahl in dem Artikel ist an der Realität komplett vorbei. Es wird errechnet, dass von 312 positiven Tests nur die bereits genannten 13 richtig-positiv sind, 299 also falsch-positiv. Dies würde einer Spezifität der Tests von 97,01 Prozent entsprechen. Tatsächlich liegt die Spezifität der Schnelltests bei 99,5 bis 99,8 Prozent. Verändert man also nun die unterstellte Rechengröße in eine der Qualität der Tests entsprechende Größe, ergibt die Rechnung ein ganz anderes Ergebnis: Von 10 000 Getesteten werden 40 als positiv erkannt. Davon sind nach wie vor 13 positiv, allerdings nicht 299 falsch-positiv, sondern lediglich 27.

Auch wenn das Verhältnis von richtig-positiv zu falsch-positiv nun ein erheblich anderes ist, wäre man natürlich geneigt, bei diesem Ergebnis den Nutzen der Tests anzuzweifeln. Dies ist allerdings mehr ein mathematisches Problem als ein Problem der Test-Qualität, und zwar das Gesetz der großen (oder kleinen) Zahlen: Wenn von 10 000 Getesteten statt 22 zum Beispiel 200 infiziert sind, ändert sich das Verhältnis folgendermaßen: 224 Tests würden positiv ausfallen. Davon 194 richtig-positiv, 30 falsch-positiv, sechs wären falsch-negativ und 9 770 richtig-negativ. Lässt man in die Betrachtung nun noch mit einfließen, dass jeder positive Schnelltest durch einen PCR-Test überprüft werden muss, überwiegt der Nutzen von Schnelltests ganz eindeutig.

Warum sich das Netzwerk von Frau Lühnemann „Netzwerk evidenzbasierter Medizin“ nennt, obwohl Beispielrechnungen mit nicht realistischen Zahlen veröffentlicht werden, ist mir zumindest rätselhaft.

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