Leserbriefe

Schlecker und die Verlierer

05.06.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hans Lange, Großbettlingen. Zum Tagesthema „Verlierer“ vom 2. Juni. Wer auf einer faulen Leiter der Größte sein will, fällt auf den Boden, wenn die Last zu groß wird. Wer denkt an die Gläubiger? Es sind hauptsächlich Lieferanten, die ihr Geld verlieren und nicht die zu bedauernden Beschäftigten, die über die Sozialkassen abgesichert sind. Bei einer Insolvenz fallen alle gelieferten Waren in die Masse. Normal wird Ware nur unter Eigentumsvorbehalt geliefert, was aber bei einer Insolvenz nicht zutrifft. Herr Schlecker hat wahrscheinlich ein sogenanntes Schneeballsystem nach amerikanischem Bankenvorbild angewendet. Hierbei zahlt der Schuldner mit Skonto und legt einen Refinanzierungswechsel vor. Der Aussteller ist der Lieferant, der Bezogene der belieferte Schuldner, der den Wechsel bei Fälligkeit einzulösen hat. Geht der Wechsel zu Protest, wurde also nicht bezahlt, stellt der Notar den Protest fest. Hiermit entsteht ein sofort pfändbarer Titel. Ausweg ist die Prolongation, eine Verlängerung, womit der Aussteller einverstanden sein muss. Ist der Protest erfolgt, wird dem Aussteller die Summe belastet. Der Lieferant ist der Garant für seine gelieferte Ware. Hiermit hat sich Schlecker in dem Fall zusätzlichen Kredit verschafft. Mit einem Wechselprotest wird die Firma als Kreditrisiko von den Banken eingeschätzt. Jeder versucht noch zu retten, was möglich ist! Der Bankrott ist die logische Folge bei Zahlungsunfähigkeit!

Die Firma Schlecker hat durch ihr Konzept, nur Waren zu verkaufen, die nicht leicht verderblich sind, die Existenzgrundlage für unsere Tante-Emma-Läden mit entzogen. Herr Schlecker ist über das Ziel hinausgeschossen, in Deutschland und Europa der Größte zu sein. Herr Schlecker hat am Bedarf vorbei Läden eröffnet, die nicht kostendeckend existieren konnten, weil der Bedarf zu gering war. Der Politik, sprich dem Staat, diese Fehlspekulation aufzubürden, wäre falsch, das Insolvenz- und GmbH-Gesetz zu ändern der richtige Weg. Die AEG hatte das gleiche Problem.

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