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Religiöse Begründung nur ein Mäntelchen

22.12.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Die Muftis wollen Europa erobern“ vom 19. Dezember. Es ist nicht gerade ein Ruhmesblatt der deutschen Geschichtsschreibung, dass das Verhältnis des Islam zum „christlichen Abendland“ immer noch so dargestellt wird, als seien die Moslems immer die Angreifer gewesen. Das stimmt nur teilweise. Aus muslimisch-arabischer Sicht sieht manches anders aus. Als furchtbare, rein religiös begründete Aggression sind ihnen die Kreuzzüge in lebhafter Erinnerung – bei denen die „Christen“ so brutal waren wie nur irgend möglich. Und die Reconquista in Spanien war für sie etwas wie ein Kulturschock. Die meiste Zeit waren die muslimischen Regierungen dort von einer Toleranz, von der Europa damals nicht einmal träumen konnte. Christen und Juden mussten eine Sondersteuer zahlen – wurden aber nicht verfolgt, sondern die höchsten Ämter standen ihnen offen. Und Spanien erlebte wirtschaftlich und kulturell seine beste Zeit. Die Christen kamen mit Feuer und Mord und vernichteten im religiösen Übereifer eine der größten Bibliotheken der damaligen Welt mit an die tausend handgeschriebenen Büchern. Ein Verlust für die ganze Welt. Und der Angriff auf Wien damals – ob die Religion da die treibende Kraft war oder einfach ein Herrschaftsanspruch religiös verbrämt wurde, dürfte schwer zu entscheiden sein.

Am heftigsten ist den Moslems jedoch der Überfall „der Christen“ – des Westens – zur Zeit des Kolonialismus in Erinnerung. Da wurden völlig hemmungslos alle bestehenden Formen zerschlagen und nahezu alle islamischen Länder besetzt und beherrscht – offiziell im Namen des Christentums; in Wirklichkeit waren es Kriege um Reichtum und Macht, denen sie hilflos ausgesetzt waren.

Und in der moslemischen Welt wird auch der Angriff der „Christen“, des Westens, auf den Irak – von dem wir ja inzwischen wissen, dass er ungerechtfertigt war – als Aggression der christlichen Welt verstanden. Ganz zu Unrecht?

In den allermeisten Fällen war auf beiden Seiten die religiöse Begründung nicht mehr als ein Mäntelchen. Wenn wir uns um Gerechtigkeit bemühen und beide Seiten ansehen, lässt sich aus der Geschichte die Angst vor dem Islam nicht begründen. Dass es im Islam aggressive Teile gibt, ist unbestritten – aber ist das ein Merkmal, das nur für den Islam gilt?

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