Leserbriefe

Rechtzeitig gute Kandidaten suchen

20.01.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rolf Weber, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Mit Ihrem Namen verbinden sich viele gute Gedanken“ vom 17. Januar. Nach jahrzehntelanger Abwesenheit erschließen sich mir als „Neubürger“ von Nürtingen nicht immer ohne Weiteres die Hintergründe für bisherige und aktuelle kommunalpolitische Weichenstellungen (zum Beispiel das jetzt geplante Hotel am Neckarufer) und jetzt die beschriebene Historie im Kontext mit der (Wieder-)Wahl von OB Heirich im Jahr 2011 hat mich zur Einsicht ins Archiv der Nürtinger Zeitung angeregt.

Offensichtlich war das Thema nicht nur emotional, sondern durch die damalige Amtsführung des OB belastet. Nach der Wahl gab sich OB Heirich in einem am 9. Dezember 2011 erschienenen Interview geläutert; und versprach „Bürgerbeteiligung und mehr Transparenz“.

2019 endet die Amtszeit des dann 68-jährigen OB. Gemäß Paragraf 46 Gemeindeordnung: „Die Bewerber . . . dürfen . . . noch nicht das 68. Lebensjahr vollendet haben“. Eine (Wieder-)Wahl scheidet somit aus.

Die Nürtinger sollten sich frühzeitig Gedanken über geeignete Kandidaten machen. Neben fachlicher Kompetenz sollte das Profil insbesondere ausgleichende/moderierende Fähigkeiten erwarten lassen. Ob ein Kandidat zum Beispiel SPD-Mitglied (wie OB Heirich) ist, darf keine tragende Rolle mehr spielen.

Ebenfalls im Jahr 2019 wird der Gemeinderat neu gewählt. Aus bisherigen Gesprächen mit Nürtingern hörte ich von wiederholter Konfrontation/Blockbildung der Fraktionen bei kommunalpolitisch wichtigen Vorhaben. Identitätsstiftend und zum Wohle der Stadt und seiner Bürger dürfte das wohl kaum sein.

In den letzten Jahrzehnten haben sich bedenkliche Rituale in der Diskussionskultur nicht nur auf Bundes- und Landesebene, sondern auch im kommunalen Bereich herausgebildet. Die breite Masse der Mandatsträger gibt oft aus opportunistischen Überlegungen gegebene Möglichkeiten der Mitgestaltung in die Hände weniger Meinungsbildner; und degradiert sich zum Stimmvieh.

Mir sind „streitbare Gemeinderäte“ (NZ vom 12. November 2016 anlässlich des Ausscheidens von Reinmar Wipper), die sich intensiv mit Sachthemen auseinandersetzen und weniger an der Fraktionsdisziplin orientieren, lieber.

Die Nürtinger haben es in Bälde in der Hand, in beiden Bereichen neue personelle Akzente setzen zu können.

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