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Quo vadis, Hauptschule?

30.05.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Sven Rahlfs, Frickenhausen, SPD-Ortsvereinsvorsitzender. Keine Woche vergeht, in der nicht aus irgendeiner Gemeinde berichtet wird, die um ihren Hauptschulstandort fürchtet. Sinkende Schülerzahlen und die Einführung der „neuen“ Werkrealschule (WRS) zum Schuljahr 2010/2011 lassen die Gemeinden um ihre Hauptschulen zittern. Die Bedingung zur Bildung einer WRS ist die „stabile Zweizügigkeit“. Danach kann weder in Frickenhausen noch in vielen anderen Orten eine WRS gebildet werden. Also müssten Schulen zusammengelegt beziehungsweise geschlossen werden. Die Rechnung bezahlen die Schüler und die Gemeinden. Natürlich wird das neue Konzept pädagogisch begründet. Die neue WRS sei viel besser als die alte und führe zudem zu einem Realschulabschluss.

Über die Akzeptanz des WRS-Abschlusses sollte man sich jedoch einmal mit Arbeitgebern unterhalten. Da hört man schnell heraus, dass mittlere Reife nicht gleich mittlere Reife ist. Die bisherige Zugangsvoraussetzung für die WRS soll zudem vom Notendurchschnitt 2,4 auf 3,0 abgesenkt werden. Die organisatorischen Vorstellungen des Ministeriums sind so diffus, dass sich langjährige Schulpraktiker verzweifelt die Haare raufen. Wie soll da ein pädagogisch wertvolles Konzept entstehen?

Schon heute steht für erfolgreiche Hauptschüler ein auf breiter Front akzeptierter fortführender Bildungsgang zur Verfügung: die zweijährige Berufsfachschule. Diesen Weg gehen heute bereits rund 50 Prozent der Hauptschulabsolventen. Die neue WRS dagegen ist ein Windei. Sie wird nicht halten können, was zurzeit vollmundig versprochen wird. Für viele Hauptschüler wird der Schulweg länger. Die individuelle Förderung ist in den bisherigen kleinen Klassen der meisten Hauptschulen weit besser möglich als in der zukünftigen Werkrealschule. Der durchsichtige Versuch, Schulen zu schließen, muss vereitelt werden. Damit sollen lediglich Lehrerstunden gespart werden, die das Land zu zahlen hat. Für die zusätzlich notwendigen Fahrtkosten sind im Übrigen die Kommunen zuständig! Wer schon unbedingt am dreigliedrigen Schulsystem festhalten will, sollte nicht gerade die Schulen in Gefahr bringen, die die größten Integrationsleistungen vollbringen. Weder Gymnasien noch Realschulen integrieren so viele Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund und mit schwierigen sozialen Biografien wie die Hauptschulen.

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