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Leserbriefe

Problem der Kirche mit der Sexualität

22.07.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ulrich Immendörfer, Frickenhausen-Linsenhofen. Zum Leserbrief „Sexuelles Durcheinander“ vom 4. Juli. Was mutet uns die Heilige Schrift an sexuellem Durcheinander nicht alles zu: Einehe, Vielweiberei, Hurerei, Inzest, Vergewaltigung, Verzicht auf Ehe und somit auf Fortpflanzung entgegen dem göttlichen Auftrag. Die Forderung der Todesstrafe für praktizierte Homosexualität wird in 3. Mose 20, 13 sogar Gott in den Mund gelegt. Homosexualität bei Frauen scheint Gott hier übersehen zu haben. Dies alles ist Frucht der Schöpfung und fordert uns zu Verantwortung füreinander heraus. Die Kirche hatte schon immer ein Problem mit der Sexualität des Menschen. Und wenn die Sexualität dem Menschen schon nicht auszutreiben ist, dann, bitteschön, nur zur Arterhaltung. Freude sollte dabei nicht aufkommen (vgl. Uta Ranke-Heinemann „Eunuchen für das Himmelreich“). Und Homosexualität muss einfach verboten und unter Strafe gestellt werden. Verboten, unter Strafe gestellt werden müssen dann aber auch Behinderte (Luther: „Teufelskinder“), unglückliche Menschen, unglückliche Ehen, Demenz, Alzheimer. Alle Menschen haben gefälligst gleich ausgestattet und veranlagt und glücklich zu sein! Wer anders ist, hat dadurch Schuld auf sich geladen.

Warum gibt es überhaupt das Phänomen der Homosexualität? Ist es genetisch bedingt, so kann man allenfalls dem Schöpfer einen Vorwurf machen. Ist es psychisch verursacht, zum Beispiel durch Probleme in der frühen Kindheit, so sind diejenigen Personen zur Rechenschaft zu ziehen, die dies verursacht haben. Eines geht nicht: Einen Menschen zu diskriminieren, nur weil er anders ist als die Norm. Und ihn vorbehaltlos zu akzeptieren bedeutet keine Herabstufung der heterosexuell Veranlagten. Sollen denn Menschen, die Opfer biologischer oder psychologischer Vorgänge sind, auch noch dafür bestraft werden?

Wenn zwei Menschen, gleich welcher Veranlagung, sich lieben und langfristig Verantwortung füreinander übernehmen, ist das nicht Liebe im Sinne des Evangeliums?! Und wenn sie nun auch den Beruf des Pfarrers ausüben wollen: Ist die Würde des Pfarrhauses dadurch infrage gestellt? Wenn gleichgeschlechtliche Paare darüber hinaus auch noch Verantwortung für Leben und Gedeihen eines Adoptivkindes übernehmen wollen, sollte man das begrüßen. Für Kinder ist es allemal gut, in einer Familie zu leben, deren Elternteile, gleich welchen Geschlechts, glücklich miteinander leben. Die Angst, ein solches Kind könnte nun auch homosexuell werden, sollte hier nicht Ratgeber sein.

Das Dokument der EKD zum Thema Ehe und Familie zeigt, dass die Erkenntnis von Ursachen verschiedener Erscheinungsformen des Lebens über das Wissen von Steinzeit und Mittelalter hinausgelangt ist.

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