Leserbriefe

Pro Eidechsen und Halsbandschnäpper

31.01.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Jakob, Neckartenzlingen. Zum Artikel „Artenschutz extrem“ vom 20. Januar. Die beiden Autoren berichten über extrem hohe Kosten, die der Schutz der Eidechsen verursacht, obwohl durchschlagende Erfolge bisher ausgeblieben sind. Trotzdem gibt es einen Markt für ungenutzte Eidechsenquartiere. Schon dass man als Bauträger überhaupt mit Naturschutzbehörden verhandeln muss, ist diesen offensichtlich ein Dorn im Auge.

Zunächst das Positive an der Geschichte: Gott sei Dank sind die Zeiten vorbei, wo Bauträger nach eigenem Gutdünken im Gelände schalten und walten konnten. Wir verdanken diese Entwicklung der vielgeschmähten Europäischen Union. Der Schutz der Eidechsen steckt aber offensichtlich in einer Sackgasse, denn er kostet Unsummen und bringt offensichtlich nichts. Ich sehe nur einen Ausweg aus dieser Entwicklung: man muss die Eidechsen dort lassen, wo sie sind. Das ist gar nicht so absurd, wie es manchem scheinen mag. Es gibt sogar einen Präzedenzfall: den Halsbandschnäpper. Die Naturschutzverbände haben vor dem Europäischen Gerichtshof ein Urteil erstritten, dessen Tenor etwa so lautet: Wo ein Halsbandschnäpper – da kein Baugebiet. Dieses Urteil ist die Quittung für das arrogante Auftreten jener Vertreter von Bauinteressen, die mit frommem Augenaufschlag erklärten: Wir wollen den Halsbandschnäpper ja gar nicht vertreiben, wir wollen nur dort bauen.

Dieses Urteil des EUGH hat sich in der Folge als äußerst wirksam erwiesen. Ich selbst kenne in meinem näheren Umfeld zwei Streuobstwiesen, die es dem Halsbandschnäpper verdanken, dass sie nicht in Baugebiete umgewidmet wurden. Es liegt also an den Naturschutzverbänden, auch für Mauer- und Zauneidechsen ein ähnliches Urteil zu erstreiten.

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