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Leserbriefe

Politische Kultur?

16.04.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Heidrun Evelyn Bay, Neuffen. Warum wird gewählt? Diese Frage muss ich mir in letzter Zeit immer wieder stellen, wenn ich die Leserbriefe der Nürtinger Zeitung lese. Wenn ich in der Schule richtig aufgepasst habe und sich am System nichts geändert hat (wovon ich ausgehe), dann werden unsere sogenannten Volksvertreter und die Spitzen von Verwaltungen von den jeweils zum Wahltermin Wahlberechtigten gewählt. Diese gewählten Personen bekommen dann mit der gewonnenen Wahl die Legitimation von der Mehrheit der Wähler, sie (also die Wähler und Bürger) in den jeweiligen Gremien und Führungsetagen zu vertreten. Ich denke, diese Legitimation sollte man diesen Gewählten auch zugestehen, denn schließlich waren es ja wie gesagt die Wähler, die diese Personen gewählt haben.

Dies hat man wohl in Nürtingen in den letzten Monaten vergessen oder will es nicht mehr wahrhaben. Mir ist auch klar, dass die nächste Kommunalwahl ansteht und da jede politische Gruppierung versucht gut dazustehen und beim Wähler zu punkten. Aber das, was gerade in Nürtingen läuft, hat meines Erachtens nichts mehr mit der politischen Kultur zu tun, die mir meine Lehrer und mein Elternhaus vermittelt haben. Man kann zu bestimmten Themen seine eigene Meinung haben, aber man sollte in der Diskussion sachlich und fair bleiben. Ob zum Beispiel ein Bürgermeister oder Oberbürgermeister in dem Ort, wo er arbeitet, auch wohnt oder ob er pendelt, ist seine Privatsache und hat niemanden etwas anzugehen, denn es wird sicherlich triftige Gründe dafür geben. Der Oberbürgermeister ist im Übrigen während der Woche und auch am Wochenende ständig bei Veranstaltungen anzutreffen. Mit dem Pendeln kann es also nicht so weit her sein. Wenn ein von der Verwaltung (die neben den Gewählten auch zum Teil aus Nürtingern besteht, die dort arbeiten) eingesetztes Gremium zur Planung des Maientages beschließt, dass es ab diesem Jahr anders werden soll beim Maiensingen, dann ist das eben so!

Ich würde mir als jemand, der in Nürtingen geboren, aufgewachsen ist und nach wie vor für Nürtingen als Bürgermentorin arbeitet, wünschen, dass man wieder zurückkehrt zu einer Arbeits- und Kommunikationsform, die den Namen „demokratisches Denken und Handeln“ weiterhin verdient!

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