Leserbriefe

Organspende und die Begleiterscheinungen

25.01.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rosemarie Körner, NT-Oberensingen. Zum Artikel „Zwischen Leben und Tod“ vom 17. Januar. Es wird von beiden Seiten als Erfolg gefeiert, das neue Gesetz zur Organspende-Reform. Dabei geht es nicht wirklich um Organspende, nur darum, wann wer und wie seine Bereitschaft dazu kundgibt. Aber das ist eigentlich der zweite Schritt, der erste müsste sein, über den Ablauf der Organspende aufzuklären.

Kaum einer der künftigen Spender weiß wirklich, was da geschieht. Zum Beispiel, dass der Spender nicht tot ist, sondern hirntot. Das ist ein konstruierter Begriff, der nicht eindeutig durch Messungen belegt werden kann, sondern es ist noch ein Stück weit der Einschätzung des Arztes unterstellt, der die Untersuchung macht. Es wird auch nirgends dokumentiert, wie viele Kranke aus dem Hirntod wieder aufgewacht sind. Passiert das nämlich, dann ist es ein Wunder, eine Fehleinschätzung der Ärzte gewesen. Dann weiß auch kaum jemand, dass Hirntote zur Organentnahme festgebunden und narkotisiert werden. Es ist oft vorgekommen, dass sie während der Entnahme ihre Schmerzen durch Arm- und Beinbewegungen zu verhindern versuchten, das Gesicht war schmerzverzerrt und die Geräte zeigten heftige Stressreaktionen an. Ein Toter mit Schmerzen? Ja, da staunt man. Aber es gibt von solchen Situationen einiges an Dokumentationen.

Für mich am eindrucksvollsten war die Krankengeschichte meines Mannes: Herzstillstand nach einer OP, Wiederbelebung erfolglos, Diagnose Hirntod. Dieser wurde, weil ich ihn bezweifelte, noch zweimal durch Untersuchung bestätigt. Trotzdem konnten die Ärzte zusehen, wie ihr Hirntoter nach circa 18 Tagen wieder wach und ansprechbar war. Er war auch kein menschliches Gemüse, wie mir die Ärzte mehrfach erklärten. Bis auf eine Gehbehinderung wurde er wieder fast gesund. Er konnte die Not-OP, die ihm wohl das Leben rettete, genau beschreiben, auch die Schmerzen, die er dabei hatte, weil die Operation an dem Hirntoten ohne Betäubung gemacht wurde. Deshalb ist für mich die gesamte Transplantationsmedizin ein Thema mit vielen Fragezeichen und wirklich nötig wäre eine offene, ehrliche Aufklärung darüber. Ob ich dann potenziell Spenderin bin oder erst nein sagen muss, bevor ich sterbe, ist dann der zweite Schritt. Und ich habe schon nein gesagt, auch wenn ich nun in der „Bösen“-Ecke stehe.

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