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Nürtingen und Bürger sollten Vorrang haben

04.08.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Kai Hansen, Nürtingen. Zu den Artikeln „ZOB bleibt am alten Platz“ und „Konzeptvergabe für Bahnstadt wird nicht geändert“ vom 28. Juli.

Nach Abschluss der letzten beiden Sitzungen des Gemeinderats haben sich alle Beteiligten eine erholsame Sommerpause verdient. Überraschend war in Bezug auf die westliche und östliche Bahnstadt, wie viele Annahmen und Bemühungen sich verändert haben. Der Gewinnerentwurf der Züricher Architekten aus dem Jahr 2018 hat sich in kürzester Zeit überlebt. Wie sollen nun 8500 Quadratmeter Bahnstadt bis 2027 zukunftsweisend bebaut werden?

Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat haben die Planungshoheit. Es geht darum, Rahmenvorgaben zu machen, die zeitgemäß sind, und die Stadt als Ganzes in die Zukunft führen. Nürtingen und die Bürger sollten Vorrang haben, nichts anderes. Außerdem entsteht dadurch Transparenz und Handlungssicherheit für alle Beteiligten. Das fehlt bislang. Welche Kernpunkte versprechen langfristig Vorteile? Wohnen muss der Teuerungsspirale durch Spekulation entzogen werden, sonst verschlechtert sich die Bezahlbarkeit von Wohnraum mit jedem Eigentümerwechsel. Erbbaupacht und gemeinwohlorientierte Wohngenossenschaften durchbrechen dieses Prinzip. Die Stadt und die Bürger profitieren davon langfristig. CO2-Reduktion beim Bauen und EnergiePlus-Konzepte sind machbar und sichern langfristig bezahlbares Wohnen. Damit wird die Bahnstadt zum Modell für ganz Nürtingen und entspricht den gesetzlichen Klimaschutz-Zielen im Land.

Den ruhenden Verkehr in Kellergeschossen abzustellen, verteuert das Bauen zusätzlich. Die Lösung dafür läge in umnutzbaren Parkhäusern in Skelettbauweise am Rand der Bahnstadt. Die Fixierung auf Tiefgaragen nach einem festen Stellplatzschlüssel verhindert zudem eine spätere Umnutzung auf Dauer. Der Charme der Bahnstadt liegt dagegen in der Nutzung leicht zugänglicher öffentlicher Verkehrsmittel und der Attraktivität eines Lebens ohne eigenes Auto. Es kann nicht angehen, dass immer neu und wiederholt am Ende die Zielvorstellungen des vorigen Jahrhunderts bestimmen, was für Nürtingen gut ist und was nicht. Chancen, das zu ändern, gilt es mutig anzusteuern und rechenbar zu machen.

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