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Nicht zu Lasten der Ärzte

16.04.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Matthias Rauscher, Nürtingen, Hausarzt. Zum Artikel „Nicht auf dem Rücken der Patienten“ vom 7. April. MdB Arnold spricht zu Recht vom höchsten Umsatz der Arztpraxen in Nord-Württemberg, Umsatz hat aber nur bedingt etwas mit Einkommen zu tun. Weiterhin gibt er dann auch zu, dass in Baden-Württemberg auch die höchsten Praxiskosten liegen, und er folgert, „es könne daher bei den baden-württembergischen Ärzten nur geringe Honorarsteigerungen geben“. Liest man nun weiter, ist plötzlich von einem „Honorarverlust“ die Rede, aber der sei ja auch nicht so tragisch, seien ja höchstens fünf Prozent, welch ein Trost, der gilt aber auch nur für 2009, 2010 rechnen wir tatsächlich mit einem Honorarverlust von 20 Prozent für unsere Praxis bei steigenden Praxiskosten. So viel zum Thema: „Die Ärzte bekommen mehr Geld“. Dies ist, zumindest was Baden-Württemberg angeht, eine Lüge.

Um eines klarzustellen: Ich bin auch dagegen, in das Gesundheitssystem mehr Geld zu pumpen, es kann aber auch nicht sein, immer mehr Leistungen und Untersuchungen, Diagnostik und Therapien bei sinkendem realem Honorar von den Ärzten zu fordern. Und warum durch das vollkommen irrsinnige Verwaltungsmonstrum Gesundheitsfonds Geld von Baden-Württemberg in andere Bundesländer transferiert wird, erschließt sich für mich erst recht nicht. Herr Arnold sollte schon bei der Wahrheit bleiben und den Wählern seines Wahlkreises offen sagen, dass ihre zusätzlichen Krankenkassenbeiträge nicht ihrer Versorgung zukommen, sondern irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern versickern. Dies haben außerdem nicht nur die Ärzte erkannt, sondern auch die AOK Baden-Württemberg, die mit ihrem „Hausarztprogramm“ die Gelder ihrer Versicherten vor dem Gesundheitsfonds schützt und so der Versicherungsbeitrag für die Gesundheitsversorgung in Baden-Württemberg bleibt. Das „Regelleistungsvolumen“ hat der Bundestagsabgeordnete der SPD leider auch nicht richtig verstanden. Hierbei handelt es sich nicht um ein Kontingent, bis zu dem der Arzt „alles bezahlt bekommt“, sondern um eine „All-inclusive-Pauschale“, in die auch sämtliche technischen Untersuchungen eingehen.

Es ist zwar richtig, dass der Arzt durch gewisse Leistungen zusätzliches Honorar erzielen kann, um diesen Betrag wird aber das „Regelleistungsvolumen“ gekürzt, man könnte auch sagen, das Geld von der linken in die rechte Hosentasche gesteckt. MdB Arnold, der sich für sein „solidarisches Gesundheitssystem“ rühmt, für das er mit seiner Partei einstehe, schlägt aber selbst den Ärzten vor, ihr Honorar mit sicher teilweise fragwürdigen „individuellen Gesundheitsleistungen“, besser bekannt als „IGEL“, den Patienten aus der Tasche zu ziehen. Ich selbst kenne außerdem auch keinen Hausarzt, der mit diesen Leistungen 30 Prozent seines Honorars erzielt, und wollte als Patient auch keinen solchen kennenlernen. Zuletzt freue ich mich aber dennoch über die klare Aussage von Herrn MdB Arnold für seine Partei, dass sie genau an diesem maroden System festhalten will. Das erleichtert mir die Wahlentscheidung.

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Die Kosten des Afghanistan-Einsatzes

Rolf Weber, NT-Neckarhausen. Zu den Artikeln „Verlustreichster Bundeswehr-Einsatz“ und „Abruptes Ende eines langen Krieges?“ vom 15. April. Das deutsche Afghanistan-Engagement ist die Lebenslüge einer ganzen Generation von deutschen Politikern.

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