Leserbriefe

Nationaler Alleingang bringt doch gar nichts

30.04.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Emil Neuscheler, Neckartailfingen. In keinem Land der Erde wird eine konfusere Energiepolitik getrieben wie in Deutschland. Gerade unsere exportorientierte Wirtschaft ist auf Planungssicherheit und moderate, auch in der Zukunft gültige Betriebskosten angewiesen, sonst geht ihr die Luft aus. Vierzig Millionen Arbeitsplätze, Tendenz steigend, stehen auf dem Spiel. Eines ist in dieser Unsicherheit sicher, unsere Energiekosten werden sich erheblich verteuern. Können wir es uns wirklich leisten, Mega-Milliarden an Volksvermögen durch stillgelegte AKWs verrotten zu lassen, wollen wir Mega-Milliarden in unsichere Stromquellen investieren.

Auch wenn wir den Spargelbestand verzehnfachen, es bläst bei uns kein „Passat der beständig und grad“. Wir brauchen 4000 Kilometer Stromautobahn, um den Süden mit dem Norden zu verbinden, und mindestens doppelt so viele Masten. Wir brauchen zig Pumpspeicherwerke, um Spannungen im Stromnetz auszugleichen. Aber wo? Und ohne Sitzblockaden! Es fällt auf, bei diesen Fragen sind die Befürworter ziemlich kleinlaut. Seit dem 11. März, der Katastrophe von Fukushima, verbreitet eine Reihe von Medien ein Horrorszenario und einen Schleier der German Angst über das Land, obwohl man genau weiß, dass die Verhältnisse des Inselstaates Japan nicht auf das europäische Festland übertragbar sind. Es ist für die Betroffenen eine schlimme Katastrophe, aber nicht der inszenierte Weltuntergang.

Der Vernunftbürger und die Sachlichkeit sind nicht mehr vorhanden, auch bei dem verkündeten Atomausstieg der Bundesrepublik. Ein nationaler Alleingang bringt doch gar nichts. Bei der bei uns vorherrschenden Wetterlage ist Fessenheim mindestens ein genauso großes Kriterium wie Neckarwestheim. Nur eine Staatengemeinschaft hilft hier weiter.

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