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Leserbriefe

Monopoly der Energieriesen

03.09.2010 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Udomar Rall, Nürtingen. Zum Artikel „Der Atomausstieg rückt in weite Ferne“ vom 31. August. Die Atomlobby zieht alle Register. Zusätzlich zu redaktionellen PR-Aktionen und Zeitungsinterviews klärt sie mit ganzseitigen Annoncen auf. Tolle Anzeigen. Prominente Unterzeichner. Da müsse man doch einsehen, dass es ohne Kernenergie und Kohle nicht gehe, obwohl die Zukunft den erneuerbaren Energien gehöre!

Ganz schön scheinheilig. Denn hier geht es nicht um Versorgungsprobleme der Verbraucher, sondern um die Sorge der bisherigen Monopolisten, die Kontrolle über den Markt zu verlieren, da die Stromerzeugung auf immer mehr verschiedene Klein- und Kleinsterzeuger verlagert werden könnte. Vor allem im Bereich erneuerbare Energien: Wasserkraftwerke, Windkraftanlagen, Solarkraftwerke, Solardächer, Biogasanlagen, Kleingaskraftwerke und so weiter. Gegen eine AKW-Laufzeitverlängerung sind auch die Stadtwerke als Konkurrenz der Energieriesen. Letzteren geht es um Gewinnabschöpfung und um eine Verzögerung der Marktdiversifizierung, um selbst mehr Zeit zu haben für den Aufbau von eigenen alternativen Großanlagen. Sonst entgleitet ihnen zu schnell die Möglichkeit, die Preise zu diktieren und ihre Marktanteile zu halten.

Die inzwischen vorgelegten Studien zur Laufzeitverlängerung widersprechen sich. Die Studie der Uni Flensburg, wonach bereits 2020 Sonnen- und Windenergieanlagen so viel Strom abgeben, dass Kernkraftwerke zunehmend unrentabel werden und zeitweise abgestellt werden müssen, wurde meines Wissens in der Presse kaum erwähnt. Stattdessen wird die Studie der Uni Köln (EWI), die von Fördermillionen seitens Eon und RWE profitiert, nun für politische Entscheidungen in den Vordergrund gestellt. Das Problem der Endlagerung radioaktiver Abfälle ist ungelöst. Sicherheitsprobleme werden heruntergespielt. Der Vorteil einer fein verteilten, vernetzten Energieerzeugung wären hohe Versorgungssicherheit, Flexibilität und Umweltverträglichkeit (unter ökologischen Vorgaben). Der Steuerzahler müsste nicht für die Milliardenschäden herhalten, den die Großerzeuger mit AKWs und Abfällen hinterlassen. Eine Laufzeitverlängerung behindert auf alle Fälle sämtliche Entwicklungen in Richtung erneuerbare Energien und verspielt (Monopoly) die große Chance, im Zukunftsmarkt an vorderster Stelle zu sein und Forschung und Wirtschaft neue positive Impulse zu geben.

Leserbriefe

Unverhohlene Parteibrille

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Nun ist Maike Pfuderer ja nicht irgendeine Zeitungsleserin, sondern im…

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