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Leserbriefe

Moderne Architektur ist Geschmackssache

22.10.2016 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Tobias Metzger, Nürtingen. Zum Artikel „Eine Investition in die Zukunft“ vom 29. September. Sicherlich ist es richtig, die Verwaltung an einem Standort zu konzentrieren und es ist schön, dass dies nun auf dem Oelkrug-Areal geschehen konnte. Mir schwant allerdings Böses, wenn Herr Eininger und Herr Heirich von einem „großen architektonischen Wurf“ sprechen und sich die Gebäude „harmonisch in die Umgebung“ einfügen – und in diesem Stil der „Prozess der Veränderung und Verjüngung“ der Stadt weitergehen soll. Man benötigt schon sehr, sehr viel Fantasie, um die „Reminiszenz an die Optik des Vorgängerbaus“ zu erkennen. Im Gegenteil: Es fehlt nur ein hoher Zaun um das Gelände und man müsste sofort an einen (nicht einmal modernen) Gefängnisbau denken.

Diese Schartenhaftigkeit der Fenster hat weder etwas von „Industrieschick“ noch von einer Stadtvilla, als die die Gebäude auf dem Bauschild angepriesen wurden. Das mag für die Bewohner von innen anders aussehen, für das Stadtbild sind diese Gebäude allerdings einmal mehr der Beweis, dass es Nürtingen nicht schafft, seine über dreihundertjährige „Tradition“ zu beenden, Schönes und Gewachsenes zu zerstören und erforderliches Neues zu oft absolut unpassend einzufügen. Als Beispiele seien nur der Abbruch des Stadtschlosses, der Stadtmauer, des Steinernen Baus und der Neubau des NC, der Volksbank oder der meisten Gebäude entlang der Europastraße genannt. Mit dem Oelkrug-Areal wurde wieder eine Chance vertan, daran etwas zu ändern und man muss sich nicht wundern, dass Nürtingen trotz eigentlich besserer Rahmenbedingungen (Neckar, Regionalbahnanschluss et cetera) an Attraktivität bei Weitem nicht an Kirchheim herankommt. Für das Stadtbild – und zudem im modernen Zeitgeist – wäre es meines Erachtens besser gewesen, man hätte das alte Gebäude in seinen Außenmauern erhalten oder zumindest die Gebäudeform mit Satteldach wieder aufgenommen. Zum Beispiel dann in Kombination mit modernen An- und Nebenbauten. Da gegenüber bereits das alte, sehr schön modernisierte Schlachthofgelände liegt, hätte durchaus der Bezug zum ehemaligen Industriestandort erhalten bleiben können.

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