Leserbriefe

Mit Pauschalierungen nicht einfach machen

24.01.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Donald Trump und die Entwicklungshilfe“ vom 18. Januar. Entwicklungsländer-Bashing: Es hat sich scheint’s noch nicht bis in die letzten Winkel der Leserbriefschreiber herumgesprochen, dass die schlechte Lage vieler Entwicklungsländer zu einem erheblichen Teil – ich schätze mal locker zu 50 Prozent – durch uns, also die reichen Länder, verursacht wird und wurde. Unsere Fischer fischen die Küstengewässer leer – die dortigen Fischer denken über eine Auswanderung nach Europa nach. Die EU subventioniert unsere Lebensmittelüberschüsse – um unseren Bauern zu helfen – und exportiert die verbilligten Waren nach Afrika, sodass ein Teil der dortigen Bauern aufgibt. Unsere großen Firmen schmieren die dortigen Machthaber mit großen Summen, um billige Lizenzen zu bekommen, damit sie die geförderten Rohstoffe bei uns preisgünstig verwerten können. Und so weiter.

Die einheimische Bevölkerung bleibt arm. Alles sehr wirksame Mittel, um die Migration nach Europa zu befördern. Und das Geld, das in die erhebliche Korruption fließt, kommt ebenfalls in nicht unbeträchtlichem Maße von uns. Jedenfalls fördern die westlichen Geschäftemacher sie fleißig, um ihre Gewinne zu erhöhen. Alles Migrationsfördermittel. Wenn wir jetzt die Entwicklungshilfegelder kürzen oder gar streichen, fördern wir die Armut der Menschen und zugleich den Migrationsdruck.

Wollen wir das? Afrika ist deutlich größer als Europa: wer sind „die Entwicklungsländer“? Das sind sehr viele sehr verschiedene Staaten mit einer oft recht armen Bevölkerung – und mit einer oft korrupten Oberschicht. Wen träfe man mit einer Einstellung der Hilfen? Und wer formuliert „die Entwicklungsländer verhalten sich falsch“, der muss auch zulassen, dass man „die bösen Deutschen“ für die unendlichen Leiden um den Zweiten Weltkrieg verantwortlich macht. So einfach sollte man es sich mit Pauschalierungen nicht machen.

Afrika ist eigentlich ein reiches Land. Wie man mit den korrupten Eliten umgeht, damit der mögliche Reichtum auch der Bevölkerung zugute kommt, weiß keiner so recht. Der Westen lebte bisher gut vom gegenwärtigen Zustand – jetzt bekommt er mit den Flüchtlingen etwas wie eine Quittung. „Fluchtursachen bekämpfen!“ – gibt es ein brauchbares Konzept? „Die Außengrenzen schließen!“ – eine billige Parole. Unsere Außengrenze ist das Mittelmeer, wie kann man das schließen. Es sei denn mit an die 1000 Kanonenbooten, die auch schießen. Wollen wir das? Wir sind doch „die Guten“. Also: nachdenken bei diesem Thema! – nicht poltern.

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