Schwerpunkte

Leserbriefe

Menschen werden ausgeschlossen

11.11.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Veronika Schneider, Nürtingen. Zum Artikel „Corona-Warnstufe tritt in Kraft: strengere Regeln für Ungeimpfte“ vom 3. November.

Die Ungeheuerlichkeiten im Umgang mit Corona werden immer eklatanter: Durch die 3-G- und vor allem die 2-G-Regel werden Menschen, die nahezu alle gesund/nicht infektiös sind, faktisch vom gesellschaftlichen und kulturellen Leben ausgeschlossen, nur weil ein hypothetischer Verdacht besteht. Jede Institution, die diese Regeln mitträgt, macht sich mitschuldig an dieser Ausgrenzung.

Der herrschende Impfdruck ist ein massiver und unzulässiger Eingriff in die individuelle Gesundheitsentscheidung. Er entbehrt jeglicher Grundlage, da die vulnerablen Gruppen zu 85 Prozent geimpft und dadurch geschützt sind. Menschen werden getrieben, sich nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern aus Gründen der Freiheit oder aus wirtschaftlichem Zwang impfen zu lassen. Bei Kindern/jungen Erwachsenen weiß man, dass Covid-19 in der Regel keine oder nur schwache Symptome hervorruft. Die Langzeitfolgen der Impfung sind nicht bekannt: Ein Impfdruck ist aus meiner Sicht daher unverantwortlich.

Eine Pandemie der Ungeimpften? Dazu muss man wissen, dass bei der Fall-Definition ein entscheidender Unterschied zwischen Ungeimpften und Geimpften gemacht wird: Bei Ersteren genügt schon ein positiver PCR-Test, ob man nun Symptome hat oder nicht; bei Geimpften hingegen wird erst bei Symptomen getestet und dann von einem Coronafall gesprochen. Natürlich gibt es dadurch bei den Ungeimpften mehr „Fälle“. Des Weiteren wird in der Kommunikation nicht dargestellt, dass die Gruppe der sogenannten Ungeimpften sehr heterogen ist. Würde man korrekt mit den Zahlen umgehen, müsste man genau differenzieren, welchen Anteil die jeweilige Untergruppe (Ungeimpfte, einmal Geimpfte, zweimal Geimpfte ohne Zweiwochenfrist, Genesene) am Infektionsgeschehen, an der Intensivbettenbelegung beziehungsweise Hospitalisierungsrate hat.

Es kann zudem nicht sein, dass man Regelungen zu massiv freiheitseinschränkenden Maßnahmen, die zeitlich streng zu befristen sind, in „normales“ Recht transferiert, sie damit der Befristung entzieht und im schlimmsten Fall auf Dauer etabliert: Entweder wir haben eine „Epidemische Lage“ oder nicht.

Dem Ganzen setzen Firmen die Krone auf, wenn sie getrennte Sitzbereiche für Geimpfte und Ungeimpfte in Kantinen planen: Wo bleibt da der Datenschutz und die Menschenwürde? In der Vergangenheit hat man vergleichbare Vorgehensweisen verurteilt.

Leserbriefe