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Leserbriefe

Mangel an Selbstkritik

28.07.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jürgen Pilsl, Großbettlingen. Zu den Artikeln „Städte fürchten Kollaps bei Betreuung“ und „Michael Hennrich wechselt zum Verband der Arzneimittelhersteller“ vom 23. Juli.

Stets mit moralisch hoch erhobenem Zeigefinger vor den Kameras zu stehen – aber immer weniger zugunsten des Bürgers zu handeln: Das macht den aktuellen Politiker vom Typ „Habeck/Kretschmann“ aus. Diese Leute versuchen uns völlig ungeniert auf Zeiten des Mangels oder gar „extrem harte Zeiten“ (Zitat Kretschmann) einzuschwören – vermutlich um dereinst die Hände in Unschuld waschen zu dürfen – und übersehen dabei geflissentlich ihre eigene konkrete Mitverantwortung an der täglich zunehmenden Misere in unserem Land. Es mangelt künftig ja nicht nur an Gas, sondern es fehlt gesellschaftlich an allen Enden und Ecken, unter anderem haben wir also ab 2025 zigtausende (!) Lehrer und Erzieher zu wenig. Und uns latent eingeschüchterten Bürgern wird all das als angeblich unabwendbare Naturgewalt verkauft.

Von einem Wirtschaftsminister, der lieber arabische Despoten und Kriegstreiber hofiert, als preiswert verfügbares russisches Gas einzukaufen. Und aus einer triefend schizoiden Pseudo-Moral heraus nicht einmal vor dem überteuerten und umweltseitig wirklich üblen Fracking-Gas aus USA zurückschreckt. Von einem „The Länd“-Chef, der statt endlich den Erzieher- und Lehrer-Beruf spürbar zu attraktivieren lieber gleich wegen des anstehenden Kollapses in der Betreuung unserer Kinder in den politischen Chor „Den Gürtel enger schnallen!“ einstimmt. Der Amtseid dieser Minister beinhaltet das „. . . zum Wohle der Bürger(!). . .“.

Aber unsere „Volksvertreter“ gefallen sich lieber zunehmend in der Rolle des moralischen Mahners, als dass ihnen ihr Mangel an Selbstkritik oder ihre eigene Unmoral überhaupt auffallen würde. Oder sie kümmern sich doch lieber gleich ausschließlich um ihren eigenen Vorteil. Jüngstes lokales Beispiel: Michael Hennrich tauscht sein Bundestagsmandat (in das ihn viele Nürtinger vertrauensvoll für vier Jahre gewählt haben) gegen eine hochbezahlte Position in der Pharma-Lobby. Dass dies überhaupt zulässig ist und andererseits bei ihm keinerlei Gewissenskonflikt hervorruft, das beschreibt anschaulich das Selbstverständnis der Politiker-Kaste in unserem angeblich „besten Deutschland aller Zeiten“.

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