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Laufzeitverlängerung ist keine Option

23.07.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Maike Pfuderer, Stuttgart. Zum Leserbrief „Also worauf noch warten?“ vom 15. Juli.

Zunächst hat kein Politiker, der oder die einer der Regierungsparteien angehört die Absicht, irgendjemand in den Ruin zu treiben. Diese Parole ist populistischer Unsinn und hat im demokratischen Diskurs nichts verloren. Wir haben eine Situation, in der aktuell nicht geklärt ist, ob wir bei Gas nicht wirklich in eine Notsituation kommen, bei Gas als Rohstoff insgesamt und nicht bei Strom, den die drei verbliebenen AKW sehr risikoreich noch bis Jahresende herstellen, wobei zu berücksichtigen ist, dass diese drei AKW genau ein Prozent der Erdgasmenge ersetzen. Ein Prozent, zu irrsinnigen Kosten. Es braucht keine vertieften Kenntnisse in der Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (dies steckt hinter dem Begriff der FMEA) um zu erkennen, dass Atomkraft eben kein Ausweg ist. Wer dies glaubt ist auf dem Holzweg!

Kluge Unternehmer wie der EnBW-Vorstand Stamatelopoulos werden solche Irrwege nicht einschlagen, denn nicht alles was unter großem Aufwand machbar ist, ist wirklich klug. Dies gilt zweifelsfrei aus allseits bekannten Gründen auch für die abgewirtschaftete Atomenergie. Zur wirtschaftlichen Vernunft der Atomenergie sagte Finanzminister Christian Lindner MdB am 6. Januar 2022 in Stuttgart folgendes, dem an sich nichts hinzuzufügen ist: „Wo gäbe es einen privaten Versicherer, der das Risiko der Kernenergie im Markt versichern würde? Das gelingt nur mit Staatshaftung“, sagte er. „Für einen Marktwirtschaftler ist das bereits ein Anzeichen, dass Kernenergie auch ordnungspolitisch nicht vertretbar ist.“ Zitat Ende.

Fassen wir also zusammen: Die aktuelle Regierung, besonders der Minister für Wirtschaft und Klimaschutz, Dr. Robert Habeck, ist frei von eigenem Verschulden in die Situation gekommen in der die Gefahr droht, dass der autokratisch geführte Hauptlieferant von Erdgas aus vernunftwidrigen Gründen ausfällt. Diese Herausforderung geht sie an, klug, besonnen und ganz sicher auch ihr Handeln in der Auswirkung analysierend. Und eben darum ist die Laufzeitverlängerung der AKW keine Option!

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