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Leserbriefe

Kulturinstitutionen Perspektive bieten

02.02.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Katrin Burtschell, Dettingen/Teck. Zum Leserbrief „Solche Pläne sind unrealistisch“ vom 26. Januar. Die finanziellen Nöte der FKBW/FKN, auf die Herr Kunzmann anspielt, beruhen vor allem darauf, dass die Kunstakademie im Jahr 2006 auf eigene Kosten den Innenbereich der Fabrik auf dem Melchior-Areal für 100 000 Euro saniert hat. Wir vertrauten dabei auf ein Versprechen der Stadt, im Gegenzug die dringend notwendige Dachsanierung zu leisten. Zur Rückzahlung der Instandhaltungskosten: Die Akademie hat seit 2001 insgesamt circa 40 000 Euro auf ein Konto der Stadt überwiesen. Dieser Betrag wurde ihr 2006 – vertragsgemäß – für die Innensanierung zurückerstattet. Die Kosten beliefen sich aber auf 100 000 Euro. Die 2010 schließlich erstatteten 19 764 Euro waren wiederum angespartes Geld der FKBW/FKN, also kein städtischer Zuschuss. Wir bitten darum, das endlich zur Kenntnis zu nehmen.

Wie ist es zu verantworten, einer kleinen Bildungsinstitution den Kraftakt einer Sanierung zuzumuten, um dann den Verkauf des Gebäudes zu verkünden? Als klar war, dass die Konsolidierung der Akademie auch die Stadt in die Pflicht nehmen würde, wurde uns als Mieter gekündigt. Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick nach Stuttgart. Die dortige Freie Kunstschule litt zeitgleich ähnlich wie die FKN unter zurückgehenden Studentenzahlen. Die Stadt Stuttgart hat der Schule nicht einfach gekündigt, sondern fördert die Schule seither mit 160 000 Euro jährlich. Die Studentenzahlen steigen dort wieder, weil man den Studenten garantiert, dass sie ihr Studium sicher fortführen können. Sonderbar ist, dass außerhalb Nürtingens erkannt wird, dass die FKBW/FKN eine vitale Institution ist und dass wir seit Jahrzehnten aus eigener Kraft überzeugende Projekte auf die Beine stellen. Durch die Idee, auf dem Melchior-Areal ein Kulturzentrum zu etablieren, das auch dem Provisorium, der Jugendkunstschule, dem Kuckucksei oder der HKT die Zukunft sichern würde, schöpfen wir neue Hoffnung.

Bei allen Konzeptionen ist die FKBW mit 60 Studierenden berücksichtigt. Eine realistische Zahl im Kontext eines sozikulturellen Zentrums oder auch der kleineren Lösung, die bestehenden Gebäude gemeinsam mit der Jugendkunstschule und dem Kunstverein Nürtingen zu nutzen. Eine Sanierung der Fabrik kann gegenfinanziert werden – wenn man Interesse hat! Herrn Kunzmann scheint die Freie Kunstakademie nicht sonderlich zu interessieren. Fair wäre es aber, wenn ein Mitglied des Landtags bei den Fakten bliebe. Er fordert Nürtingen dazu auf, „nicht weiterzuträumen“. Wir verlangen, dass Frau Grau die Zeit bekommt, die sie benötigt, um ihr Finanzierungskonzept für ein Kulturzentrum vorzulegen. Mit Träumereien hat das nichts zu tun, vielmehr mit einer weitsichtigen Kulturpolitik, die gewachsenen Nürtinger Kulturinstitutionen eine Perspektive bietet und die diese Stadt lebenswert macht.

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