Leserbriefe

Kostenloser ÖPNV wäre ein großer Wurf

20.02.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Michael Buchmann, Beuren. Zum Artikel „Fahrverbote drohen – doch niemand will den Schwarzen Peter“, vom 17. Februar. Da hat die Bundesregierung endlich mal den Mut, wirklich einen großen Wurf zu wagen und nicht nur wieder ein Reförmchen – schon ist es auch wieder nicht recht. Gegenargumente, die gegen einen kostenlosen Nahverkehr ins Feld geführt werden, sind vor allem fehlende Finanzierbarkeit und fehlende Kapazitäten. Auch wenn es überrascht: ÖPNV hat auch bisher schon gekostet. Und wenn man rein rechnerisch unveränderte Fahrgastzahlen annimmt: Die Kosten bleiben zunächst gleich, werden nur auf andere Weise gedeckt, nämlich vollständig aus Steuermitteln. Steuern, die von allen gezahlt werden, müssten dafür steigen – alle zahlen für alle, und wer trotzdem Auto fährt zahlt drauf. Genauer betrachtet sinken die Kosten pro Fahrgastkilometer: Es braucht keine Kontrolleure und es gibt keine schmarotzenden Schwarzfahrer mehr. Keine klugen Köpfe müssen mehr beschäftigt werden, die sich ein hoch differenziertes Tarifsystem ausdenken. Vorteil für den Fahrgast: Er muss den Tarifdschungel auch nicht mehr verstehen. Die Tarifgenies finden sicher auch eine andere Beschäftigung, bei der sie ihr Talent einbringen können. Nun ist aber gewünschtermaßen zu erwarten, dass die Fahrgastzahlen so steigen, sodass ein Kapazitätsausbau erforderlich wird. Dies wäre aber auch der Fall wenn – Achtung Ironie: Aus Gründen der Vernunft oder durch gute Überzeugungsarbeit – mehr Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen würden, nicht nur durch finanziellen Anreiz.

Käme es zu einer Reduktion des Individualverkehrs und wie gefordert zu einer geringeren Feinstaubbelastung, würden andererseits direkte und indirekte Folgekosten mittelfristig sinken: Geringere Instandhaltungskosten für Straßen, Reduktion negativer Gesundheits- und Umweltfolgen, nicht alles lässt sich auf Euro und Cent berechnen. Emissionen nur an besonders kritischen Tagen unter definierte Grenzwerte zu senken erinnert irgendwie an das Bestreben, sich möglichst nahe an eine bestimmte Promillegrenze heran zu saufen, statt ein Problem grundlegend anzugehen.

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