Schwerpunkte

Leserbriefe

Kosten schonungslos offenlegen

12.11.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Karl Kohler, NT-Oberensingen. Zum Artikel „Das neue Heim des Dichters nimmt Konturen an“ vom 4. November.

Die kümmerlichen Reste, die man vom originalen Hölderlinhaus übrig gelassen hat werden im Artikel hochgelobt. Laut Dr. Schmidt aus Marbach sucht dieser literarische Ort in dieser Form in Deutschland und darüber hinaus seinesgleichen. „Wir haben hier mehr Bausubstanz als im Tübinger Hölderlinturm.“ Das ist nur die Hälfte der Wahrheit, denn der weitaus größere Teil der originalen Bausubstanz wurde abgerissen und weggeworfen. Und weshalb? Nur um den ungeprüften Raumbedarf der VHS zu erfüllen, und damit Frau Ackermann keine Säulen mehr sehen muss, wurde das historisch wertvolle Gebäude „behutsam abgetragen“. Auf den alten Grundmauern und hinter zwei alten Außenwänden wurde der Neubau errichtet.

Der tatsächliche Raumgewinn des neuen Gebäudes ist bis heute nicht belegt. Was aber sicher ist: Das originale Hölderlinhaus ist weg. Nürtingen kann mit diesem Bauwerk tatsächlich in die Geschichte eingehen, als eine Stadt, die ihr kulturelles Erbe wegwirft und auch noch eine Menge Geld dafür ausgibt. Denn, was man selber in der Ausschreibung zum Architektenwettbewerb gelobt hat, und durch zwei Gutachten belegte: Das abgerissene Haus war in einem guten baulichen Zustand. Es war, „trotz aller baulichen Veränderungen, immer noch das originale Haus, authentischer Wohn- und Wirkungsort Hölderlins“. Das echte historische Hölderlinhaus ist unwiederbringlich verloren.

Was der Stadt Nürtingen aber noch bevorsteht ist die Kostenabrechnung. Hier ist schonungslose Offenlegung nötig, die Verantwortlichen müssen benannt werden. Der Oberbürgermeister hat das Projekt seit Langem zur Chefsache erklärt. Nürtingen hat den Schaden verursacht. Es gehört vieles geklärt. Wessen Wünsche wurden ungeprüft verwirklicht? Warum hat man alle geäußerten Bedenken seit Jahren beiseitegeschoben? Die nicht nachvollziehbaren „Kostenberechnungen“ wurden mehrfach infrage gestellt. Die Verwaltung meinte jedoch, das mangelhaft geplante Projekt sich von Steuergeldern gönnen zu können.

Leserbriefe