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Kontinuierliche, kreative Bildung

20.02.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Martina Keller, Wolfschlugen. Zum Artikel „Nürtingen will auf die Schuldenbremse treten“ vom 5. Februar. Wir sind über das Vorhaben, die Jugendkunstschule zu schließen und ähnliche Kurse bei der VHS anzubieten, überrascht. Werden Sparmaßnahmen in diversen Bereichen empfohlen, so soll die Jugendkunstschule als einziger Bereich aufgelöst werden. Galant wird somit die Möglichkeit geschaffen, das Jugendkunstschulgebäude zu veräußern.

Mehr noch entsetzt uns, dass die Schulleitung im Vorfeld nicht informiert und ihr keine Chance gegeben wurde, neue Wege einzuschlagen, um das Fortbestehen dieses Bereichs, möglicherweise in anderen Räumen, zum Beispiel in dem diskutierten Kulturzentrum, zu gewährleisten. Weil Nürtingen im Vergleich zu anderen Städten ein ausgeprägtes, teils einzigartiges Kultur- und Bildungsangebot hat, kommen auch viele Schüler aus dem weitläufigen Umland zum qualifizierten Unterricht und zu einer studienvorbereitenden Fachausbildung. Darunter sind auch unsere beiden Söhne, die die Theaterklassen besuchen.

Hinter dem Begriff „Theaterarbeit“ verbirgt sich nicht nur eine vermeintlich „simple“ Theateraufführung pro Jahr. Darüber hinaus werden unter der Leitung von Frau Hein, einer Theaterpädagogin in Perfektion, gemeinsam Selbstbewusstsein, soziale Kompetenz, Kreativität, Kunstverständnis entwickelt und Freundschaften unter kulturinteressierten Jugendlichen gefördert. Eine kontinuierlich kreative Bildung also und ein Erleben, wie es im Schulalltag, bei den örtlichen Vereinen oder bei VHS-Kursen bislang nicht angeboten wird.

Wir bitten deshalb die Entscheider, vom geplanten Schritt der Auflösung der Jugendkunstschule abzusehen, deren Schulleitung sowie dem Kollegium ihr Vertrauen auszusprechen und ihnen die Chance zu geben, trotz gekürzter finanzieller Mittel eine Lösung für ein qualifiziertes Bildungsangebot zu erarbeiten. Übrigens – zufällig studiert eine Theaterklasse das Stück „Momo“ ein: Graue Herren stehlen den Menschen ihre Zeit. Die Möglichkeit, in einer bunten, vielfältigen Welt zu leben. Spielen und kreatives Miteinander gelten als nutzlos. Aus farbenfroh würde grau, nähmen nicht Mutige in letzter Minute den Kampf dagegen auf.

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