Schwerpunkte

Leserbriefe

Kommen Neckarvillen auch in die Schublade?

23.08.2010 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „OB setzt sich für Alternative ein“ vom 18. August. Der „Deus ex Machina“, ein uralter dramaturgischer Kniff, der „Maschinengott“, steigt aus dem Theaterhimmel herab und beglückt die zerstrittenen Erdlinge mit Lösungen. Das Publikum rast, übersieht aber solche Wunder im richtigen Leben nur allzu leicht. Gerade in Nürtingen, vor dem Jahr der Wahlen, häuft sich das Phänomen. Nehmen wir die Plastikbecher-Verordnung samt Security-Hype und Bauzaunsicherung für das Public Viewing. Im Gemeinderat als Schutz ehrbarer Fußballgucker angedeutet, in der Stadt aber mit größtem Unwillen aufgenommen. Da schwebt der Deus ex Machina aus den Pfingstferien ein, und schwupps ist ausgemistet. Oder das Café Crosso. Von der Verwaltung als denkbare Maßnahme zur gastronomischen Innenstadtbelebung in die Diskussion gebracht – und dann ein Sturm der Entrüstung bei Leuten mit dem Blick fürs Ganze. Da breitet der Deus ex Machina schützend seinen Mantel über die Kreuzkirche und das Café ist vom Tisch, will sagen vom Schillerplatz. Als Stadtrat guckt man derweil etwas ratlos aus der Wäsche. Hatte man nicht in der Diskussion noch eins übergebraten bekommen, weil man Weitblick und Fürsorge der Verwaltung in Frage stelle? Oder, da neu im Amt, weil man länger zurück liegende Entscheidungen nochmals überprüfen will?

Wie beim Staudamm im Tiefenbach. Alles schon längst entschieden, hieß es heftig, bitte nicht nochmals von vorn anfangen! Naturorientierte Alternativen zum Sechs-Meter-Damm sind nicht bezahlbar, bitte bleiben Sie realistisch, meine Herrschaften. Und Ihre grünen Alternativen? Teure Träume sind das, wenig zielführend. Nun lesen wir in der Zeitung, dass wohl ein ganzes Geschwader von Maschinengöttern einen Flug über das Naherholungsgebiet Tiefenbach gemacht haben muss. Der Bürgerschaft sei man es schuldig, die Landschaft schützende Alternativen so lange zu verfolgen, bis jemand schlüssig erklären könne, dass sie nicht funktionieren und nicht bezahlbar sind. Schön! Da frage ich mich nur, auf welcher Seite der Gemeinderatsdiskussion ich eigentlich gesessen bin, und nähre die leise Hoffnung, dass nun sogar die Neckarvillen wieder in der Schublade verschwinden könnten. Stadt im Fluss, den Göttern im Aufwind sei Dank!

Leserbriefe

Russland und der Westen

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zum Leserbrief „Erweiterung der Nato war nicht vorgesehen“ vom 14. November. Harmoniesoße über einen Wortbruch zu gießen macht ihn nicht besser. Absprachen und Versprechen haben durchaus in der Politik ihre Bedeutung. Da helfen auch keine Wortklaubereien. Wie…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe