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Leserbriefe

Kein Vertrauen in Herrn Laschet

17.04.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Johannes Heimann, Nürtingen. Zum Kommentar „Leben retten“ vom 13. April. Offenbar mit Gleichmut nehmen viele tagtäglich die Corona-Sterbezahlen zur Kenntnis. Wäre das auch so, wenn beispielsweise jeden Tag ein voll besetztes Flugzeug mal mit 230, mal mit 350 Fluggästen über deutschem Boden abstürzte? Oder würden wir nicht jedes Mal nachfragen: War dies vermeidbar? Gibt es einen systematischen Fehler? Oder Schuldige?

Auch Herr Plavec geht in seinem Kommentar nicht von den Todesfallzahlen aus, sondern von der Auslastung der Intensivstationen. Aber: Diese hinkt dem Infektionsgeschehen um drei bis vier Wochen hinterher. Die Intensivstationen sind auch deshalb nicht überfüllt, weil die Hälfte der Intensivpflichtigen sie erst gar nicht erreichen – oft ist Covid schneller. Und nur die Hälfte derer, die wegen Covid beatmet werden müssen, kann gerettet werden, bleibt dann aber für den Rest des Lebens gezeichnet. Müssen wir also erst bei Überfüllung der Intensivstationen drastisch reagieren? Dürfen die Kitas, offenbar Deutschlands wichtigste systemrelevante Institution, jetzt offenbleiben? Und die Schulen? Dürfen Reisende ins Ausland – vielleicht nach Mallorca, wo am 29. März die impfresistente brasilianische Virusmutante P1 gefunden und dies vertuscht wurde – ohne Zwangsquarantäne wieder nach Hause?

Die Antworten sind sonnenklar. Aber Herr Laschet scheint für wissenschaftliche Erkenntnisse weniger erreichbar zu sein als für Stimmungen seiner Wählerschaft. Er hätte schon aus dem Beginn der zweiten Welle lernen können, dass jede Verzögerung des Lockdowns diesen länger und schwieriger macht und zu unnötigen Todesfällen im Bereich von mehreren Zehntausend führt. Stattdessen zerredete er erst die Ergebnisse der Ministerpräsidentenkonferenz, machte bei steigenden Infektionszahlen unhaltbare Öffnungsversprechen, um dann – unter falscher wissenschaftlicher Begründung und wiederum verspätet – einen „Brückenlockdown“ zu propagieren, mit einer Brücke, deren erster Pfeiler schon mitten im reißenden Fluss steht.

Wie wollen wir jetzt die dritte Welle und dann die vierte mit einem erneut mutierten Virus überstehen? Herrn Laschet traue ich die dazu notwendige feste Haltung nicht zu. Da wäre es noch besser, Frau Merkel würde bleiben und mit Kretschmann, Lauterbach, Brinkmann und einigen Wissenschaftlern eine Koalition der Vernünftigen bilden!

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