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Leserbriefe

Jedes Kind sollte willkommen sein

19.02.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Claudia Heinkel, Pua-Fachstelle für Information, Aufklärung, Beratung zu Pränataldiagnostik und Reproduktionsmedizin im Diakonischen Werk Württemberg/Stuttgart. Zum Leserbrief „Schwangere müssen die Freiheit haben“ vom 5. Februar.

In Dr. Heimanns Leserbrief irritieren mich zwei Aussagen: Der Bluttest sei eine Diagnostik, keine Wahrscheinlichkeitsberechnung. Und: Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche sei in den letzten Jahren unverändert niedrig. Der Bundesverband der niedergelassenen Pränataldiagnostiker sieht das anders und sagt: Der Test ist ein Suchtest zur Risikoeinschätzung mit einer gewissen methodenbedingten Fehlerrate. Er ersetzt nicht prinzipiell die Fruchtwasseruntersuchung. Die Aussagekraft des Tests auf Trisomien ist in sogenannten Hochrisikogruppen überprüft worden. Je jünger die Frauen sind, die den Test zum Beispiel auf Trisomie 21 machen, desto höher ist die Falsch-Positiv-Rate des Tests und die Zahl anschließender (eigentlich unnötiger) Punktionen. Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche aufgrund einer medizinischen Indikation – und das heißt in der Regel aufgrund eines auffälligen Befundes – ist seit einigen Jahren stetig gestiegen.

Ich begrüße sein Votum für die Entscheidungsfreiheit der Frauen. Aber es ist eine zwiespältige Sache. „Meine Freiheit foltert mich“, sagt Sandra Schulz, Journalistin und Autorin, über die Konsequenzen dieser Entscheidungsfreiheit. In der Beratung schwangerer Frauen beobachte ich: Es ist inzwischen fast schon begründungspflichtig, wenn eine Frau keine Tests auf Besonderheiten bei ihrem Kind machen will. Es gibt eine subtile soziale Erwartungshaltung gegenüber den Schwangeren, dass sie ein gesundes Kind ohne Behinderung zur Welt bringen sollen. Der Bluttest auf Trisomien reiht sich hier nahtlos ein. Er wird – noch dazu als Kassenleistung – den Erwartungsdruck auf die Schwangeren verstärken, ihn auch zu nutzen, und die Erklärungsnöte der Eltern mit einem behinderten Kind verschärfen. Der Test ist kein Test gegen die Angst vor einem behinderten Kind. Er kann auch nicht die Gesundheit des Kindes bestätigen, wie die Anbieterfirmen suggerieren. Statt weiterer Tests braucht es die Gewissheit: jedes Kind ist willkommen und findet einen guten Platz in unserer Gesellschaft und Eltern bekommen die Unterstützung, die sie für ein gutes Leben für sich und ihr Kind brauchen.

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